Bundesamt für Naturschutz

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„Towards Green Cities: The Values of Urban Biodiversity and Ecosystem Services in China and Germany”

Hintergrund

Schon heute lebt mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten und diese Tendenz ist steigend. In China sollen bereits in 2025 etwa 70 Prozent der chinesischen Bevölkerung in Städten leben, aber auch in Deutschland sind in den letzten Jahren wieder verstärkt Urbanisierungsprozesse zu beobachten. Diese Entwicklung sorgt für eine zunehmende Flächeninanspruchnahme an den Stadträndern und zu Verdichtungsprozessen im Stadtkern – urbane Ökosysteme verschwinden, Tier- und Pflanzenarten werden aus den eigentlich biodiversitätsreichen Städten verdrängt. Gleichzeitig sinkt die Lebensqualität aufgrund zunehmender Umweltbelastungen und das Risiko von negativen Klimawandelfolgen für die lokale Bevölkerung steigt.


Urbanisierungsprozesse gehen oftmals mit einer substantiellen Landnutzungsänderung einher – Flächen werden versiegelt. (Foto: Lennart Kümper-Schlake)
Bau von Hochhäusern in China

Der Schutz und die Wiederherstellung städtischer Ökosysteme wie Stadtparks, Stadtwälder oder auch Brachflächen können hier entgegenwirken. Dies wird zunehmend auch von internationalen Initiativen und Zielvorgaben wie der 2030 Agenda für Nachhaltige Entwicklung (SDG’s) oder der internationalen Stadtentwicklungskonferenz „Habitat III" erkannt und von nationalen Prozessen wie dem chinesischen „New-Type Urbanisation Plan" oder dem Stadtgrün-Prozess der Bundesregierung unterstrichen. Die konkrete Umsetzung muss aber letztlich auf kommunaler Ebene erfolgen.

Das Projekt

Grüne Infrastruktur kann auch Pink sein (Foto: Lennart Kümper-Schlake)
Bewohner und Touristen unter Kirschblüten in der Bonner Altstadt

Die Ausgangslage des Projekts war die Einsicht, dass Grünflächen vor allem Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten darstellen. Daneben bieten sie wohnortnahe Möglichkeiten der Naturerfahrung, der Umweltbildung und sie fördern die Akzeptanz der Stadtbevölkerung auch für Naturschutz im ländlichen Raum. Aber auch für andere Herausforderungen der Stadtplanung stellen urbane Ökosysteme weitere Leistungen bereit: Sie regulieren das Mikroklima, verbessern die Luftqualität und können negative Folgen von Starkregenereignissen mindern. Ferner fördern begrünte Flächen ganz allgemein unser Wohlbefinden und tragen bspw. durch Stressabbau und Anregung zu Bewegung maßgeblich zu unserer psychischen und physischen Gesundheit bei.

Das zentrale Ziel des Projekts ist daher, die Bedeutung urbaner Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen aufzuzeigen, eine erhöhte Akzeptanz für urbane Grünflächen beispielsweise in der Stadtplanung zu erreichen und darzulegen, wie grüne Infrastruktur in die Stadtplanung integriert werden kann. Dies geschieht anhand vielfältiger illustrierender Beispiele aus China und Deutschland.


Wasseraufbereitung in einem Stadtpark auf dem alten EXPO-Gelände in Shanghai (Foto: Lennart Kümper-Schlake)
Urbanes Feuchtgebiet mit Wasserbepflanzung

Im Rahmen des Vorhabens wurden auch Möglichkeiten und Hemmnisse einer Realisierung von mehr naturschutzfachlich hochwertigen Grünflächen für Stadtplaner beleuchtet. Von funktionalen Ansätzen im Bereich regionaler Raumplanung, über Initiativen städtischer Revitalisierung oder der Schaffung grüner Naherholungsgebiete bis zu Umweltbildung im Stadtviertel wird aufgezeigt, wie es gelingen kann, grüne Infrastrukturen zu planen, zu finanzieren und erfolgreich umzusetzen.

Von 2015 bis 2017 arbeiteten wissenschaftliche Institute, Universitäten und Organisationen aus China und Deutschland an einer übergeordneten, explorativen Studie. Hierzu fanden Workshops sowie Studienaufenthalte in chinesischen und deutschen Großstädten statt, um ein tieferes Verständnis für die Herausforderungen dieser Städte sowie Einblicke in die Potenziale städtischer Grünräume zu bekommen. Die ersten Ergebnisse sind bereits in Form eines Policy Briefs zusammengefasst.

Ausblick

Urbanes Grün fördert die Gesundheit und unterstützt das soziale Miteinander (Foto: Lennart Kümper-Schlake)
In einem Stadtpark, dem Zhongshan Park in Shanghai, machen zahlreiche Bürger gemeinsam Wudang Tai Chi

Als Hauptergebnis des Vorhabens wird Mitte des Jahres ein Buch die gesammelten Ergebnisse in der „Cities and Nature"-Serie des wissenschaftlichen Springer-Verlags vorstellen. In einem chinesischen Fachverlag für Umwelt-, Architektur- und Stadtentwicklung folgt später im Jahr eine chinesische Übersetzung des Buches.

Die Studie dient zudem als Ausgangspunkt weiterer Initiativen Deutsch-Chinesischer, aber auch internationaler Zusammenarbeit an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Praxis. Dies geschieht beispielsweise im Rahmen der Deutsch-Chinesischen Urbanisierungspartnerschaft, im Rahmen einer Session der ESP-Weltkonferenz im Dezember 2017 in Shenzhen und im neuen Projekt „Urbane Feuchtgebiete in China – Schutz und Wiederherstellung blau-grüner Infrastruktur für regenerative Stadtentwicklung".


Laufzeit

2015-2017

Förderprogramm

Sachverständigenvorhaben

Projektnehmer

Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR), Dresden

Beteiligte Partner

East China Normal University (ECNU), Shanghai

China University of Mining and Technology (CUMT), Xuzhou

Paris Lodron Universität Salzburg

BfN und weitere Institutionen aus Wissenschaft, Politik und Praxis

Fachbetreuung

 Lennart Kümper-Schlake, AG Internationaler Naturschutz

Tel.: +49-228-8491-1745

Letzte Änderung: 01.05.2017

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