Bundesamt für Naturschutz

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Naturschutzgroßprojekt Grünes Band Rodachtal-Lange Berge-Steinachtal

Hintergrund

Das Grüne Band bei Bad Rodach (Foto: Klaus Leidorf)
Zu sehen ist eine Luftbildaufnahme vom Grünen Band bei Bad Rodach

Das erste Naturschutzgroßprojekt mit Schwerpunkt am Grünen Band, gelegen entlang des ehemaligen innerdeutschen Grenzstreifens, hat in diesem Jahr mit der Umsetzung der zuvor im Pflege- und Entwicklungsplan erarbeiteten Maßnahmen begonnen. Das Grüne Band Deutschland ist mit fast 1.400 Kilometern Länge der längste nationale Biotopverbundkorridor und bietet vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen Rückzugsraum. Die langfristige Bewahrung des Grünen Bandes entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs mit seiner außergewöhnlichen Vielfalt an seltenen Tier- und Pflanzenarten und Lebensräumen ist eines der Leuchtturmprojekte der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt. Auf einer Länge von ca. 127 Kilometern soll im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes das Grüne Band dauerhaft als Lebensraum für gefährdete Pflanzen und Tiere und zugleich als kulturhistorisches Mahnmal erhalten werden.

Das Projekt

Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling im NSG Heiligenwiese in der Rodachaue (Foto: Bernhard Reiser)
Zu sehen sind drei Blüten mit zwei Schmetterlingen

Das 8.206 ha große Fördergebiet umfasst Teile der Landkreise Hildburghausen und Sonneberg in Thüringen sowie Coburg und Kronach in Bayern. Leitbild des Naturschutzgroßprojektes „Grünes Band Rodachtal-Lange Berge-Steinachtal“ ist es, zahlreiche naturschutzfachlich wertvolle Lebensräume miteinander zu vernetzen, wobei das Grüne Band als eine Art „Rückgrat“ fungiert:  Großflächige Wälder, schützenswerte Kulturlandschaftsbiotope wie Halbtrockenrasen und Heiden sowie Fließgewässer sind über „Trittsteine“ und „Korridore“ (extensives Grünland, lichte Wälder) daran angebunden. Ziel des Biotopverbundes ist die Durchgängigkeit in der Landschaft zu erhöhen, um gefährdeten Arten mit hohen Ansprüchen an die Lebensraumqualität wie dem Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling, dem Esparsetten-Widderchen oder der Rotflügeligen Schnarrschrecke die Überbrückung von intensiven Landwirtschaftsflächen zu erleichtern. Die naturnahen Abschnitte des Grünen Bandes sowie angrenzende weitere wertvolle Bereiche im Fördergebiet sollen auf diese Weise dauerhaft in ihrer Lebensraum- und Strukturvielfalt erhalten werden.


Das zentrale Ziel des Naturschutzgroßprojektes ist der Erhalt und die Entwicklung des Grünen Bandes als überregional bedeutsamer offener bis halboffener, extensiv bewirtschafteter Landschaftskorridor (Biotopverbund). Um dieses Ziel dauerhaft erreichen zu können, sollen im Rahmen des  Projektes Flächen gekauft bzw. gepachtet werden oder über langfristige Ausgleichszahlungen eine  naturschutzgemäße Nutzung ermöglicht werden. Das Pflegekonzept für das Offenland umfasst Lebensräume wie Halbtrockenrasen, Zwergstrauchheiden, Sandpionierrasen, Kalkscherben- bzw. Sandäcker und Feuchtgrünland.

Halbtrockenrasen Lauterberg (Foto: Otto Elsner)
Zu sehen ist ein Halbtrockenrasen

Auch in den Wäldern des Projektgebietes soll der Biotopverbund optimiert werden, um die Durchgängigkeit für Tiere, die an lichte bis halbschattige Lebensräume gebunden sind, zu ermöglichen. Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes sollen u. a. (Kiefern)-wälder aufgelichtet und ehemalige Mittelwäldern wieder hergestellt werden, um lichtliebenden Arten des Offenlandes die Durchquerung der Wälder zu erleichtern.

Das Fördergebiet wird von einem dichten Netz von Fließgewässern (Rodach, Steinach, Föritz) durchzogen. Auch der Schutz und die Regeneration der Fließgewässer haben eine  Bedeutung für den Biotopverbund. Es sind umfangreiche Gewässerrenaturierungsmaßnahmen zur Förderung der Durchgängigkeit der Gewässer geplant, von denen z. B. Bachmuschel (inkl. Wirtsfische), Nase und Bachneunauge profitieren können.

Im Projekt I (Planungsphase) wurde bereits ein flächenscharfer Pflege- und Entwicklungsplan für das Fördergebiet in enger Abstimmung mit den regionalen Landnutzern als Planungsgrundlage für die Projektumsetzung erstellt.

Für das Projekt II (Umsetzungsphase) werden zur Umsetzung der erarbeiteten konkreten Maßnahmen ab 2016 für 10 Jahre insgesamt rund  9,3 Mio. € zur Verfügung gestellt. Dabei steuert der Bund fast 7 Mio. Euro, die beiden Bundesländer  fast 1,4 Mio. Euro sowie die vier Landkreise und der BUND mit seinen Landesverbänden in Thüringen und Bayern rund 925.000 Euro bei.

Ausblick

Extensiver Mohnacker westlich Gauerstadt (Foto: Otto Elsner)
Zu sehen ist ein Acker mit Mohnblumen

Im Rahmen der 10 jährigen Umsetzungsphase sollen umfangreiche Biotopmanagement-Erstpflege-maßnahmen wie Entbuschen von Offenlandbiotopen, Auflichten von Wäldern oder naturschutz-gerechte Waldumbaumaßnahmen sowie Anlage von Kleingewässern und Feuchtmulden durchgeführt werden. Der Schwerpunkt der Biotopmanagementmaßnahmen liegt im Grünen Band. Dort sollen verbrachte Feuchtwiesen, Magerrasen und Zwergstrauchheiden entbuscht werden. Anschließend ist vorgesehen durch extensive Beweidung (mit Schafen, Ziegen und Rindern) den halboffenen Zustand des Grünen Bandes möglichst durchgängig zu erhalten und zu entwickeln. Angestrebt wird ein mosaikartiger Wechsel aus Weiden, Wiesen, Brachen, Offenbodenflächen, verbuschten und bewaldeten Bereichen.

Projektbegleitend sind im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit Informationsmaßnahmen (Broschüren, Faltblätter, Schautafeln, Informationsveranstaltungen) und besucherlenkende Maßnahmen wie der Bau von Beobachtungstürmen und -ständen geplant, um die dort vorkommenden Wiesenbrüter ohne Beeinträchtigung erleben zu können.

Publikationen / weiterführende Links

Laufzeit

Projekt I:   01. Juni 2010 bis 30. November 2013

Projekt II:  01. Februar 2016 bis 31. Januar 2026

Förderprogramm

Errichtung und Sicherung schutzwürdiger Teile von Natur und Landschaft mit gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung - Naturschutzgroßprojekte

Projektträger

Zweckverband „Grünes Band Rodachtal-Lange Berge-Steinachtal"

Landratsamt Coburg

Postfach 2354

96412 Coburg

Tel.: 09561/514340

Fax: 09564/51489340

E-Mail:  Stefan Beyer

Beteiligte Partner

BMUB/BfN, Freistaaten Bayern und Thüringen, Zweckverband „Grünes Band Rodachtal-Lange Berge-Steinachtal“

Hintergrund

Fachbetreuung

 Gerd Woithe, Fachgebiet II 2.1

Letzte Änderung: 01.12.2016

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