Bundesamt für Naturschutz

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Wanderrouten der Fledermäuse


Rauhautfledermaus, Foto: Torsten Pröhl/fokus-natur
Rauhautfledermaus

Das Forschungs- und Entwicklungsvorhaben "Identifizierung von Fledermauswanderrouten und –korridoren" untersuchte die saisonalen Migrationen und die möglichen Zugwege mehrerer Fledermausarten. Dies geschah vor dem Hintergrund des Ausbaus der Windenergie an Land und der damit verbundenen erhöhten Gefährdung für Fledermäuse.

Hintergrund

Der Ausbau der Windkraft an Land birgt Konflikte mit dem Artenschutz. Neben Vogelarten fallen auch zahlreiche Exemplare mehrerer Fledermausarten durch Kollisionen den Windenergieanlagen (WEA) zum Opfer oder erleiden ein sogenanntes Barotrauma, bei dem die inneren Organe der Fledermäuse aufgrund der Verwirbelung und der Druckunterschiede an den Rotorblättern geschädigt werden, sodass die Tiere verenden.

Die NBS hat zum Ziel, den Ausbau der erneuerbaren Energien naturverträglich zu gestalten. Viele Fledermausarten sind gefährdet, alle unterliegen einem strengen Schutz. Auch die Sicherung aller gefährdeten Arten bzw. Verbesserung ihres Gefährdungsstatus gehört zu den Zielen der NBS. Nicht zuletzt die weit wandernden Fledermausarten zählen zu den zahlreichen Schlagopfern an Windenergieanlagen.

Um dieses Konfliktpotenzial zu reduzieren, sollte vermieden werden, Windenergieanlagen dort zu errichten, wo eventuell wichtige Zugwege verlaufen könnten oder Aggregationspunkte liegen.

Das Projekt

Ziel des Projekts war es, die Kenntnisse über die saisonalen Migrationen und die möglichen Zugwege von vier Fledermausarten, die jeweils weite Strecken zurücklegen, zu erweitern. Nach grundlegenden Recherchen wurden dazu im Rahmen des Projektes Ergebnisse in vier Projektteilen erarbeitet:

Datensammlung für phänologische Analysen:

Auf Grundlage von fast 70.000 Beobachtungsdaten an knapp 20.000 Fundorten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde das räumlich-zeitliche Auftreten der vier wandernden Arten Großer Abendsegler, Kleinabendsegler, Rauhautfledermaus und Zweifarbfledermaus analysiert. Mehr als 1.000 Fledermauskundler trugen zu diesem Datenpool bei.

Demnach findet die Migration vom Kleinabendsegler und der Rauhautfledermaus über eine große Entfernung und gerichtet statt.

Sammlung habitatspezifischer Daten in einem akustischen Transekt im Thüringer Wald und dessen Vorland

Dieser Projektteil beschäftigte sich mit den Fragen, ob

  • die Fledermausarten auf breiter Front über Mitteleuropa ziehen,
  • Fledermausarten auf ihrem Zug das Gebirge meiden,
  • einzelne Talzüge als wichtige Wanderrouten dienen und
  • die Fledermausarten im Mittelgebirge kleinräumige spezielle Geländestrukturen wie z. B. Talhänge bevorzugen. Dazu wurden mit Hilfe automatischer Erfassungsgeräte Rufe der verschiedenen Fledermausarten aufgenommen.

Horchbox im Thüringer Wald, Foto: NACHTaktiv
Horchbox

Im Ergebnis muss für das Untersuchungsgebiet mit hoher Sicherheit von einem Breitfrontenzug ausgegangen werden. Gebirge wurden nicht gemieden, einzelne Talzüge schienen gegenüber anderen keine herausragende Rolle bei der Wanderung zu spielen.

Gesicherte Aussagen zu eindeutigen Habitatpräferenzen waren nicht möglich. Dieses führt zu der Erkenntnis, dass „Zugkorridore" für Fledermäuse unwahrscheinlich sind. Rast- und Paarungsgebiete jedoch können identifiziert werden und es empfiehlt sich, in diesen aufgrund ihrer populationserhaltenden Bedeutung auf die Windenergienutzung zu verzichten.

Bewertung der Funktionalität lichtempfindlicher Geodatenlogger

Foto: Prototyp eines Geodatenloggers im Größenvergleich. Foto: W. Schorcht
Man sieht einen Geodatenlogger neben einer 1 Cent Münze.

In Kooperation mit der Schweizerischen Vogelwarte Sempach wurde die Anwendbarkeit von Geodatenloggern zur Erforschung von Fledermauswanderungen an den drei Arten Großer Abendsegler, Kleinabendsegler und Rauhautfledermaus getestet. Mit Geodatenloggern wird die geografische Länge und Breite anhand der Lichtstärke und des Zeitpunktes von Sonnenauf- und -untergang berechnet.

Im Kurzzeittest zeigte sich eine grundsätzliche Eignung für den Großen Abendsegler, für die beiden anderen Arten war nur ein besonders lichtempfindlicher Loggertyp erfolgversprechend. Ein Langzeitversuch am Großen Abendsegler gelang jedoch leider nicht.

Telemetrie vom Großen Abendsegler zu Beginn der Frühjahrsmigration

In zwei Jahren wurden 24 Weibchen des Großen Abendseglers besendert und ihre Abwanderung aus dem Untersuchungsgebiet verfolgt.

Großer Abendsegler mit Telemetriesender. Foto: A. Meschede
Zu sehen ist ein Abendsegler mit Telemetriesender, der auf einer Hand sitzt

Ausblick

Das Vorhaben konnte einen wertvollen Beitrag zur Erforschung der Migration bei Fledermäusen leisten, dennoch konnten längst nicht alle Fragen zu diesem Phänomen behandelt werden, so dass viele Ungewissheiten bleiben. Auch andere Akteure sind hier aktiv.

Durch neue, in Zukunft vielleicht verfügbare Techniken und Untersuchungsansätze (z. B. den Einsatz von GPS-Sendern) lassen sich möglicherweise einige der offenen Fragen klären. Bis dahin kommt der gesamte mitteleuropäische Raum als potenzielles Zuggebiet in Betracht.

Diesem Umstand sollte im Rahmen der Windenergienutzung Rechnung getragen werden: Neben einer sorgfältigen Standortwahl empfehlen sich derzeit v. a. Abschaltzeiten während der Zugperioden bzw. in Nächten mit hoher Fledermausaktivität, um Kollisionen zu vermeiden.

Publikationen / weiterführende Links

Der Abschlussbericht zum Vorhaben (Meschede et al. (2016): Wanderrouten der Fledermäuse) wird als BfN-Skript veröffentlicht und demnächst unter BfN-Veröffentlichungen verfügbar sein.

Laufzeit

Juli 2012 bis September 2015

Förderprogramm

F+E

Projektträger

PAN Planungsbüro für angewandten Naturschutz GmbH

Beteiligte Partner

  • SWILD – Stadtökologie, Wildtierforschung, Kommunikation; Zürich
  • NACHTaktiv, Biologen für Fledermauskunde GbR

Beratend

  • Museum für Naturkunde Berlin
  • Koordinationsstelle für Fledermausschutz Nordbayern
  • Koordinationsstelle für Fledermausschutz Südbayern
  • Koordinationsstelle für Fledermausschutz und –forschung in Österreich

Fachbetreuung

FG II 1.1, Ruth Petermann

Letzte Änderung: 01.10.2016

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