Bundesamt für Naturschutz

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Agrarförderung: Vertragsnaturschutz und Agrarumweltprogramme

Vertragsnaturschutz und Agrarumweltprogramme

Die Agrarumweltmaßnahmen (AUM) bzw. in der neuen Förderperiode die Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) sind freiwillige Maßnahmen, bei denen sich Landwirte verpflichten, natur- und umweltverträgliche landwirtschaftliche Arbeitsmethoden anzuwenden, die über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehen. Zu AUKM zählen eine Vielzahl an Maßnahmen wie z.B. Ökologischer Landbau, der reduzierte Einsatz von Dünger- und Pflanzenschutzmitteln, naturschutzgerechte Grünlandnutzung, Vertragsnaturschutz, Landschafts- und Biotoppflegemaßnahmen, Flächenstilllegung von Ackerflächen, umwelt- und tiergerechte Haltungsverfahren sowie die Förderung der Züchtung und Haltung seltener, vom Aussterben bedrohter lokaler Tierrassen. Bei den am häufigsten geförderten Agrarumweltprogrammen steht der abiotische Ressourcenschutz und die Marktentlastung im Vordergrund, sie haben aber auch zum Teil positive Nebeneffekte für den Arten- und Biotopschutz. Diese Maßnahmen werden auch als "hellgrüne AUKM" bezeichnet.


Im Vergleich dazu sind dunkelgrüne Maßnahmen (u.a. Vertragsnaturschutz), Maßnahmen die besonders positive Effekte für die Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt haben. Hierzu zählen zum Beispiel die Anlage von Ackerrandstreifen, die Umwandlung von Acker in extensives Grünland sowie die Streuobst- und Heckenpflege. Bislang nehmen diese Maßnahmen jedoch nur einen geringen Anteil an der Gesamtförderung von AUM ein.

In einigen Bundesländern in Deutschland werden erfolgsorientierte Förderungen angeboten. Bei diesen Maßnahmen wird nicht die Art der Bewirtschaftung, sondern das tatsächliche Vorhandensein bestimmter seltener oder bedrohter Arten honoriert. Grundlage für die Förderung ist der Nachweis von mindestens vier Kennarten (Pflanzen) aus einem regionalen Katalog.


AUKM und Vertragsnaturschutz werden auch in der neuen Förderperiode (2014-2020) im Rahmen des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) innerhalb der zweiten Säule der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) gefördert. In Deutschland wird diese zweite Säule der GAP aufgrund der föderalen Struktur des Staates in den einzelnen Bundesländern umgesetzt. Eine Kofinanzierung von AUK - und Vertragsnaturschutzmaßnahmen durch die Bundesländer ist eine Voraussetzung, um EU-Fördermittel zu erhalten. Deutschland steht für 2014-2020 aus dem ELER insgesamt etwa 9,5 Milliarden Euro an EU-Mitteln zur Verfügung, die mit nationalen Mitteln von Bund, Ländern und/oder Kommunen kofinanziert werden. Darüber hinaus ist im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) eine Kofinanzierung durch den Bund teilweise möglich.

In der Förderperiode von 2007-2013 wurden ca. ein Viertel der in Deutschland für die ländliche Entwicklung zur Verfügung stehenden Finanzmittel für AUM eingesetzt. Seit 2005 geht der Umfang der Fördermittel für AUM kontinuierlich zurück. Die als AUM geförderte Fläche belief sich auf ca. 40% der landwirtschaftlich genutzten Fläche Deutschlands. Trotz dieser umfangreichen Förderung sind die landwirtschaftlich genutzten Lebensräume der Agrarlandschaft nach wie vor überwiegend in einem schlechten Erhaltungszustand, teilweise haben sie sich in den letzten Jahren sogar verschlechtert. Innerhalb der neuen Förderperiode sind die Mittel für AUKM de facto gekürzt worden. Für die gezielte Förderung und den Schutz der biologischen Vielfalt in der Kulturlandschaft wäre eine Mittelaufstockung notwendig, um insbesondere solche Programme zu stärken und weiter zu entwickeln, von denen tatsächlich positive Effekte ausgehen. Außerdem wurde bislang versäumt ein Anreizsystem für eine bessere Honorierung der Naturschutzleistungen zu schaffen.

Letzte Änderung: 17.04.2015