Bundesamt für Naturschutz

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Seevögel


Samtentenerpel (Melanitta fusca). Foto: S.E. Arndt
Samtentenerpel (Melanitta fusca). Foto: S.E. Arndt

Die wichtigsten Ergebnisse der Forschung

  • Ingesamt wurden bei den langjährigen Schiffs- und Flugzählungen 25 Seevogelarten ermittelt, für die Schutzgebietsausweisungen in der deutschen AWZ durchgeführt wurden (siehe Arten). Das Artenspektrum ist in Nord- und Ostsee unterschiedlich und umfasst insgesamt jeweils 18 Arten.
  • Viele Arten zeigen eine weiträumige Verteilung mit geringen Konzentrationen. Hierzu gehören vor allem Möwen.
  • Andere Vogelarten zeigen dagegen deutlich abgrenzbare Konzentrationsareale.
  • In der Ostsee sammeln sich vor allem Trauer-, Samt- und Eisenten küstenfern zu Zehntausenden in der Pommerschen Bucht, insbesondere auf der Oderbank. In der westlichen Ostsee / Beltsee sind in großen Bereichen Trauer-, Eis- und Eiderenten in gemeinsamen Rastgebieten zu finden. GRAFIK : (Verteilung der Eisenten-Bestände in der Ostsee.)
  • In der Nordsee ist insbesondere der Schutz von Stern- und Prachttauchern zu gewährleisten. Diese beiden Arten halten sich im Winter und sehr frühen Frühjahr zunächst vermehrt in der südlichen Nordsee vor der niedersächsischen Küste auf, im Spätwinter und späten Frühjahr sind sie vor allem seewärts der nordfriesischen Inseln zu finden.
  • Für Arten, die an den deutschen Küsten brüten, nimmt die Dichte des Auftretens auf See mit der Entfernung zum Land bzw. zur nächsten Brutkolonie ab. Hierbei sind unterschiedliche Aktionsradien der jeweiligen Brutvögel festzustellen. Dies gilt beispielsweise für verschiedene Seeschwalben-Arten, die in der Nachbrutzeit in starken Konzentrationen auf der Nordsee vorkommen können oder für die in Deutschland nur auf Helgoland brütenden Basstölpel, Trottellummen und Tordalke.

Vogelarten, die bei der Ausweisung von Meeresschutzgebieten in der deutschen AWZ berücksichtigt wurden:
Sterntaucher
Sterntaucher
Prachttaucher Prachttaucher
Basstölpel Haubentaucher
Eiderente Rothalstaucher
Trauerente Ohrentaucher
Zwergmöwe Kormoran
Lachmöwe Eiderente
Sturmmöwe Eisente
Heringsmöwe Trauerente
Silbermöwe Samtente
Mantelmöwe Mittelsäger
Dreizehenmöwe Zwergmöwe
Brandseeschwalbe Sturmmöwe
Flussseeschwalbe Silbermöwe
Küstenseeschwalbe Brandseeschwalbe
Trottellumme Flussseeschwalbe
Tordalk Küstenseeschwalbe
Gryllteiste

Beispielhaft werden hier einige dieser für NATURA 2000 relevanten Vogelarten aus Nord- und Ostsee vorgestellt:

Prachttaucher

(Gavia arctica)

Prachttaucher gehören zur Familie der Seetaucher (weltweit 4 Arten). Sie sind mit ihrem lang gestreckten Körper und den großen paddelartigen Füßen mit großen Schwimmhäuten hervorragend an das Leben auf und Jagd unter Wasser angepasst. Bei der Jagd nach Fischen können sie mehrere Minuten unter Wasser bleiben. Sie starten ihren Tauchgang von der Wasseroberfläche, nicht etwa aus einem Sturzflug aus der Luft. Prachttaucher brüten im Sommer weit im Norden, zum Beispiel an den Seen Skandinaviens, und überwintern in speziellen Meeresgebieten von Nord- und Ostsee. Sie gehören zu den im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie aufgeführten besonders geschützten Arten.


Prachttaucher (Gavia arctica). Foto: S.E. Arndt
Prachttaucher (Gavia arctica). Foto: S.E. Arndt
Sterntaucher (Gavia stellata). Foto: S.E. Arndt
Sterntaucher (Gavia stellata). Foto: S.E. Arndt

Sterntaucher

(Gavia stellata)

Sterntaucher sind wie Prachttaucher in Nord- und Ostsee überwinternde Seetaucher. Sie sind jedoch etwas kleiner als Prachttaucher und zeigen eine andere Gefiederfärbung. Auffällig sind die roten Augen sowie während der Brutzeit der rote Halsfleck. Im Winterkleid lassen sie sich von den dann unscheinbaren Prachttauchern vor allem an dem leicht aufwärtsgebogenen, dünneren Schnabel und der dicht weiß gepunkteten Oberseite der Flügel unterscheiden. Jedoch ist diese Unterscheidung aus weiter Entfernung bei Schiffszählungen nur mit sehr großer Erfahrung und auch dann nur bei etwa 60-70% der Tiere möglich. Daher werden beide Arten oft als „Seetaucher“ zusammengefasst. Auch Sterntaucher sind nach Anhang I der Vogelschutzrichtlinie besonders geschützt.

Rothalstaucher

(Podiceps grisegena)

Rothalstaucher gehören zur Familie der Lappentaucher. Die Arten dieser Familie sind kleiner und gedrungener als Seetaucher. Ihre Zehen sind durch Schwimmlappen verbreitert und nicht durch Schwimmhäute verbunden. Rothalstaucher brüten in Röhrichtzonen von Seen und Teichen, auch in Norddeutschland. Sie überwintern mitunter auch im offenen Meer. Bei den Zählungen ergaben sich einzelne Sichtungen sowohl in Nord- als auch in der Ostsee, meist in gleichen Meeresgebieten, in denen auch Seetaucher auftreten.


Rothalstaucher (Podiceps grisegena). Foto: S.E. Arndt
Rothalstaucher (Podiceps grisegena). Foto: S.E. Arndt
Ohrentaucher (Podiceps auritus). Foto: H.G. Arndt
Ohrentaucher (Podiceps auritus). Foto: H.G. Arndt

Ohrentaucher

(Podiceps auritus)

Wie Rothals- und Haubentaucher zählen auch Ohrentaucher zur Familie der Lappentaucher. Dieser kleine, im Sommer auffällig gefärbte Taucher brütet an pflanzenreichen, flachen Seen des Nordens, wo er sich von Kleinkrebsen und Wasserinsekten ernährt. Im Winter suchen die Vögel eisfreie Gewässer auf. In der Pommerschen Bucht überwintert etwa 1/3 der nordeuropäischen Population. Im Winter ernähren sich die dann unscheinbar grau-weiß gefärbten Ohrentaucher überwiegend von Fischen.

Flussseeschwalbe

(Sterna hirundo)

Die Flussseeschwalbe gehört wie die Küsten- und Brandseeschwalbe zu den typischen Zugvögeln, sie sind ausgesprochene Langstreckenzieher. Die an unseren Küsten brütenden Seeschwalben ziehen im Winter bis nach Afrika. In den deutschen Meeresgebieten der AWZ kommen Seeschwalben vor allem in der Nachbrutzeit vor. Hier können während der Zählungen in einigen Gebieten der Nordsee Konzentrationen von 7.000 bis 8.000 Tieren festgestellt werden. Seeschwalben sind Stoßtaucher, die kleine, oberflächennah schwimmende Fische aus der Luft entdecken und in rasantem Stoßflug erbeuten. Nach der Brutzeit brauchen sie besonders viel Nahrung, um ihre Fettreserven vor dem Zug in die Überwinterungsgebiete anzulegen.

Gryllteiste

(Cepphus grylle)


Gryllteiste (Cepphus gryllus). Foto: S.E. Arndt
Gryllteiste (Cepphus gryllus). Foto: S.E. Arndt

Die Gryllteiste ist wie die Trottellumme oder der Tordalk (beide bekannt von den Vogelfelsen von Helgoland) ein Vertreter der Familie der Alkenvögel. Die Alken sind mittelgroße bis kleine, meist schwarz-weiß gefärbte Seevögel, die an Land hochaufgerichtet sitzen oder watscheln. Sie sind Fischfresser, die ihre Nahrung tauchend erbeuten. Dabei setzen sie zum Vortrieb unter Wasser ihre kurzen, schmalen Flügel ein. Die Gryllteiste lebt außerhalb der Brutzeit ausschließlich auf hoher See, wie auch Trottelllumme und Tordalk. Während der Vogelzählungen wurden im Winter mehrere hundert Gryllteisten in der deutschen AWZ der Ostsee gezählt; die meisten überwintern im Gebiet des Adlergrundes in der nordöstlichen Pommerschen Bucht.

Eiderente

(Somateria mollissima)

Eiderenten brüten sowohl an unseren Küsten als auch in Skandinavien. Sie ernähren sich überwiegend tauchend von marinen Muscheln und Schnecken. Die im Norden brütenden Eiderenten ziehen im Winter südwärts in die eisfreien Gewässer und bleiben dann auch wochenlang auf dem Wasser. Sie halten sich sowohl küstennah als auch küstenfern in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee auf. In der Ostsee überwintern Eiderenten vorrangig im westlichen Teil sehr zahlreich, wohingegen östlich von Rügen nur noch vereinzelte Individuen gesichtet werden.

Samtente

(Melanitta fusca)

Samtenten gehören wie Trauerenten zu den Meeresenten, die im Sommer in den Seengebieten der Tundra und Skandinaviens brüten und den Winter in eisfreien