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Nordostatlantik, OSPAR


Chimären (Chimaera monstrosa), auch Seekatzen genannt, leben bodennah in mehreren hundert Meter Wassertiefe. Foto: S. Gust
Chimären (Chimaera monstrosa), auch Seekatzen genannt, leben bodennah in mehreren hundert Meter Wassertiefe. Foto: S. Gust

Das Oslo-Paris-Übereinkommen zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks  (OSPAR-Konvention, 1992;  www.ospar.org) ist 1998 für seine 15 Vertragsstaaten und die Europäische Gemeinschaft verbindlich in Kraft getreten. Mit Inkrafttreten der Anlage V über den Schutz und die Erhaltung der Ökosysteme und der biologischen Vielfalt des Meeresgebiets wurde auch die Einrichtung von Meeresschutzgebieten integraler Bestandteil des OSPAR-Übereinkommens. Die Arbeiten zu Meeresschutzgebieten im Rahmen von OSPAR werden seit 1998 von Deutschland, vertreten durch das BfN, geleitet (Arbeitsgruppe Meeresschutzgebiete, Working Group ICG-MPA).

Gemeinsames Netzwerk von Meeresschutz-gebieten

Auf der gemeinsamen Ministerkonferenz der OSPAR- und  Helsinki-Kommissionen in Bremen im Jahr 2003 formulierten die Vertragsparteien beider Abkommen das Ziel, bis 2010 ein ökologisch kohärentes Netzwerk von Meeresschutzgebieten im Nordostatlantik und der Ostsee zu errichten. Sie einigten sich auf ein gemeinsames Arbeitsprogramm, in dem konkrete Schritte festgelegt wurden, um bis 2010 ein Netzwerk effektiv gemanagter, repräsentativer Meeresschutzgebiete zu erreichen, zusammen mit den marinen Natura 2000-Gebieten. In der OSPAR-Empfehlung 2003/3 wurden diese Ziele für das Meeresgebiet der OSPAR-Vertragsstaaten konkretisiert. Zur Unterstützung und internationalen Harmonisierung wurden fachlich-technische Richtlinien und Arbeitshilfen entwickelt, die sich insbesondere mit der Identifizierung, Meldung und dem Management der Gebiete befassen.

Bis 2010 umfasste das OSPAR-Konventionsgebiet knapp 160 Meeresschutzgebiete. Die Mehrheit dieser Gebiete wurde in den jeweiligen Hoheitsgewässern, also innerhalb der 12-Seemeilen-Zone ausgewiesen, 11 Gebiete reichten in die Ausschließlichen Wirtschaftszonen (AWZ) hinein und lediglich 32 Meeresschutzgebiete wurden ausschließlich in den jeweiligen AWZ ausgewiesen. Bis September 2010 war kein Schutzgebiet in Meeresgebieten jenseits nationaler Rechtszuständigkeit (die so genannten Areas Beyond National Jurisdiction, ABNJ) ausgewiesen.

Sechs große Schutzgebiete in ABNJ

Auf der Ministerkonferenz in Bergen im September 2010 verabschiedete die OSPAR-Kommission nach langjährigen, komplizierten Verhandlungen unter den Vertragsstaaten erstmalig 6 großflächige Schutzgebiete in ABNJ, insbesondere in Bereichen entlang des Mittelatlantischen Rückens und um einige ausgewählte Seeberge. Dieser Schritt fand weltweite Beachtung und ist auch für andere Meeresregionen wegweisend zum Schutz der marinen Lebensvielfalt auf der Hohen See. Einzigartige Tiefseelebensräume mit Kaltwasserkorallen und Lebensgemeinschaften an hydrothermalen Quellen konnten so geschützt werden. Prominentestes Beispiel ist die Charlie-Gibbs-Fracture-Zone. Siehe:  Charlie Gibbs-Schutzgebiet

Mit der Empfehlung 2010/2 wurden die Empfehlungen zur Einrichtung von Meeresschutzgebieten im OSPAR-Vertragsgebiet noch einmal novelliert. Bis 2012 sollte die ökologische Kohärenz, einschließlich der Repräsentativität von Gebieten in den verschiedenen biogeographischen Regionen des OSPAR-Meeresgebietes erreicht werden. Bis 2016 sollen die bis 2010 gemeldeten Gebiete gut (effektiv) gemanagt sein.

Fortschritte in den letzten Jahren

In den vergangenen Jahren hat sich die Unterschutzstellung ökologisch wertvoller Gebiete deutlich verstärkt. Bis Ende September 2012 umfasste das OSPAR-Netzwerk 333 Meeresschutzgebiete mit einer Gesamtfläche von 700,600km² oder 5,17% des OSPAR-Meeresgebietes. Das entspricht etwa der zweifachen Größe Deutschlands. In Gebieten jenseits nationaler Rechtszuständigkeit (ABNJ) liegen 9 Schutzgebiete (7 gemeinsame OSPAR-Gebiete und 2 nationale Meeresschutzgebiete), die jedoch flächenmäßig den größten Anteil von insgesamt 6% des Meeresgebietes ausmachen.

Siehe  Status of the OSPAR Network of Marine Protected Areas in 2012 (PDF, 2,2MB)

Bewertung der ökologischen Kohärenz

Ein derzeitiges Schwerpunktthema ist die Bewertung der ökologischen Kohärenz der bestehenden Meeresschutzgebiete im OSPAR-Gebiet. Anhand der Ergebnisse einer kürzlich erstellten Studie können die Experten Rückschlüsse darauf ziehen, inwieweit für die einzelnen Meeresregionen ausreichend Gebiete unter Schutz gestellt wurden. Gleichzeitig kann festgestellt werden, wo Lücken hinsichtlich des Schutzes bestimmter mariner Arten und Lebensräume bestehen. Obgleich in den letzten Jahren viele Flächen in nationalen Gewässern, aber auch große Gebiete in der Hohen See unter Schutz gestellt und große Erfolge erzielt werden konnten, gibt die Studie Hinweise auf weiteren Handlungsbedarf. 

Ein weiteres wichtiges Arbeitsfeld ist, wie das derzeitige und zukünftige Management der Schutzgebiete im Nordost-Atlantik und seine Effektivität bewertet werden können. Hierbei geht es zunächst einmal um die Entwicklung und Festlegung von einheitlichen Methoden und Kriterien.   


Große Tümmler (Tursiops truncatus) leben meist in Küstennähe gemäßigter Breiten bis in tropische Gewässer. Foto: K. Wollny-Goerke
Große Tümmler (Tursiops truncatus) leben meist in Küstennähe gemäßigter Breiten bis in tropische Gewässer. Foto: K. Wollny-Goerke
Grindwale (Globicephala melas) leben in gemäßigten und subpolaren Gewässern. Foto: P. Hübner (BfN)
Grindwale (Globicephala melas) leben in gemäßigten und subpolaren Gewässern. Foto:  P. Hübner (BfN)

Karte

Karte: OSPAR Netzwerk von Meeresschutzgebieten im Nordostatlantik.

OSPAR Netzwerk von Meeresschutzgebieten im Nordostatlantik.
(Karte: Stand 06.2017)

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