Bundesamt für Naturschutz

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Flussauen als Natura-2000-Gebiete


Art. 4 Abs. 1 c) WRRL gibt vor, dass die Ziele und Normen der WRRL in den nach (europäischem) Gemeinschaftsrecht ausgewiesenen wasserabhängigen Schutzgebieten ebenfalls bis 2015 zu erfüllen sind, soweit keine anderweitigen Zielbestimmungen vorliegen. Außer beim Monitoring und bei der Erfassung des Erhaltungszustands der wasserabhängigen Arten und Lebensräume ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Naturschutz und Wasserwirtschaft vor allem bei der Erarbeitung und Abstimmung der Erhaltungs- und Entwicklungsziele für Natura 2000-Gebiete mit dem Umweltzielen der WRRL notwendig.

Für den Umsetzungsprozess der WRRL ergeben sich hieraus folgende Empfehlungen:

  1. Abstimmung der Erhebungsmethodik für das Monitoring
    Infolge der unterschiedlichen Aufgabenstellungen von FFH -RL und WRRL sind Erhebungsmethoden und Bewertungsverfahren nur teilweise zur Deckung zu bringen. Am besten ist dies bei größeren Gewässern möglich, die sowohl eigenständige Lebensraumtypen nach FFH -RL als auch als Ganzes Wasserkörper im Sinne der WRRL darstellen.
    Bei den durch zeitweise Überflutung geprägten Auenbiotopen werden nach beiden Richtlinien unterschiedliche Bewertungsansätze verfolgt. Die Ermittlung der durch langanhaltende Überflutungen charakterisierten FFH -Lebensraumtypen kann einen wichtigen Beitrag zur Beschreibung der für die Qualitätskomponenten der WRRL maßgeblichen Auenbereiche liefern. Hierbei sollten auch die durch die entsprechenden Standortfaktoren geprägten Gebiete ohne aktuellen Wert als FFH -Lebensraum erfasst werden, um dem Auftrag beider Richtlinien gerecht werden zu können.
    Für die nach FFH -RL zu überwachenden, in Deutschland aber relativ häufigen Fischarten wird der Naturschutz auf die Monitoringergebnisse der WRRL-Bestandsaufnahme zurückgreifen können. Für die Wanderfischarten (Lachs, Meerforelle, Fluss- und Meerneunauge) werden weiterhin die speziellen Erfassungs- und Maßnahmenprogramme der Fischereiverwaltung die Bestandsdaten sowohl für die Umsetzung der WRRL als auch  für die FFH -RL liefern.
    Für die anderen in der FFH -RL genannten Wasserpflanzen, Fischarten und wirbellosen Tiere sind gezielte, auf die speziellen Lebensräume und Lebensweise der betreffenden Arten abgestimmte Untersuchungen erforderlich.
  2. Berücksichtigung des Redynamisierungspotenzials bei Erhaltungs- und Entwicklungszielen von Schutzgebieten
    Der Konflikt zwischen den auf die Annäherung an potenziell natürliche Gewässerzustände ausgerichteten Zielen der Wasserwirtschaft und den bislang oft vorrangig auf den Erhalt vorhandener Lebensräume ausgerichteten Zielen des Naturschutzes wird bei der weiteren Entwicklung des Natura 2000-Zielkonzeptes voraussichtlich an Bedeutung verlieren. In Anbetracht der Seltenheit und des hohen Gefährdungsgrades der meisten typischen Auenbiotope kann die in der FFH -Richtlinie angestrebte funktionale ökologische Kohärenz der Lebensraumtypen in Bezug auf die Auenbiotope nur erreicht werden, wenn auch die Naturschutzkonzepte in entsprechendem Umfang eine Wiederherstellung von Auenbiotopen anstreben und konkurrierende Erhaltungsziele in dieses übergeordnete Konzept integrieren.
  3. Einbeziehung von Vernetzungsgebieten nach Art. 10 FFH -RL und von Schutzgebieten für Arten des Anhangs IV FFH -RL
    Die gemeinschaftsrechtlichen Verpflichtungen, die bei der Umsetzung der WRRL zu beachten sind, erstrecken sich nicht nur auf die förmlichen Schutzgebiete des Netzes Natura 2000, sondern auch auf die Vernetzungselelemte nach Art. 10 der FFH -RL sowie auf die Lebensräume, die gemäß Art. 12 FFH -RL zu sichern sind, um den strengen Schutz der Arten nach Anhang IV FFH -RL zu gewährleisten. Um eine möglichst reibungslose Umsetzung der FFH -Richtlinie wie auch der Bewirtschaftungspläne zu ermöglichen, erscheint es daher sinnvoll, Gebiete, die dazu dienen, den nach den Art. 10 und 12 FFH -RL zu realisierenden Schutz umzusetzen, in das Schutzgebietsverzeichnis nach Anh. VI WRRL aufzunehmen, damit die für diese Gebiete geltenden wasserbezogenen Ziele frühzeitig mit den anderen Zielen des Bewirtschaftungsplanes harmonisiert werden können.
  4. Abstimmung der Erhaltungs- und Entwicklungsziele für Natura 2000-Gebiete mit den Umweltzielen nach WRRL/ Erstellung integrierter Managementpläne
    Für Natura 2000-Gebiete mit wasserabhängigen Lebensraumtypen und Arten besteht eine hohe Dringlichkeit zur Aufstellung von Managementplänen, damit bei der Aufstellung der Maßnahmenprogramme nach WRRL möglichst präzise Erhaltungsziele und Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen vorliegen und berücksichtigt werden können. Dabei sind die Wasseransprüche der Schutzobjekte bzw. das dazu erforderliche Wasserregime zu benennen, in wasserwirtschaftlich handhabbare Parameter zu fassen und hinsichtlich der wasserwirtschaftlichen Umsetzbarkeit mit den Fachbehörden für Wasserwirtschaft abzustimmen. Dazu empfiehlt es sich, die Managementpläne für fließgewässerbegleitende Natura 2000-Gebiete um Komponenten der Gewässerentwicklungsplanung zu ergänzen (integrierte Managementpläne).
     Ablaufschema zur Erarbeitung von Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen für Natura 2000-Gebiete mit wasserabhängigen Arten und Lebensräumen in Abstimmung mit den Anforderungen der Wasserrahmenrichtlinie
  5. Berücksichtigung naturschutzfachlicher Belange bei der Folgenprüfung der WRRL-Maßnahmenprogramme
    Für Maßnahmenprogramme nach WRRL wird, soweit sie konkret genug sind und maßgebliche Bestandteile des Schutzgebietssystems Natura 2000 beeinträchtigt werden können, eine sog. FFH -Verträglichkeitsprüfung erforderlich sein. Maßnahmenprogramme unterliegen außerdem der Pflicht zur Strategischen Umweltprüfung SUP, einzelne aus ihnen entwickelten Projekte u. U. der Pflicht zur UVP. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, bei der Aufstellung der Programme die Ziele des Naturschutzes frühzeitig zu berücksichtigen. Dazu kann die Erarbeitung von integrierten Managementplänen für Natura 2000-Gebiete und von Maßnahmenprogrammen nach WRRL (vgl. auch Handlungsempfehlung 15) einen wesentlichen Beitrag leisten. Sofern dabei wechselseitig abgestimmte Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen für die Natura 2000-Gebiete zugleich in das Maßnahmenprogramm nach WRRL aufgenommen werden, könnte dann für diese Flussgebietsteile auf eine FFH -Verträglichkeitsprüfung verzichtet werden.
    Fortentwicklung und Erprobung eines harmonisierten Verfahrens zur Umsetzung der WRRL, der FFH - und der Vogelschutz-Richtlinie sind Gegenstand eines weiteren Forschungs- und Entwicklungsvorhabens, das vom BfN gefördert wird und dessen Ergebnisse voraussichtlich im Juni 2009 publiziert werden.

Downloads

Ablaufschema zur Erarbeitung von Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen für Natura 2000-Gebiete mit wasserabhängigen Arten und Lebensräumen in Abstimmung mit den Anforderun-gen der Wasserrahmenrichtlinie.