Bundesamt für Naturschutz

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Flussauen als grundwasserabhängige Landökosysteme


Der Zustand grundwasserabhängiger Ökosysteme wird in der WRRL als Kriterium für den mengenmäßigen Zustand der zu ihnen gehörenden Grundwasserkörper herangezogen. Daran knüpfen sich verschiedene Verpflichtungen. Bei der sog. erstmaligen Beschreibung der Grundwasserkörper sind diejenigen Wasserkörper zu kennzeichnen, bei denen direkt abhängende Oberflächengewässer-Ökosysteme oder Landökosysteme vorhanden sind (vgl. Anhang II 2.1 WRRL). Sofern das Risiko einer Beeinträchtigung der Grundwasserkörper besteht, sind auch die mit dem Grundwasserkörper in Verbindung stehenden Oberflächengewässer und Landökosysteme einer Bestandsaufnahme zu unterziehen („weitergehende Beschreibung“ nach Anhang II 2.2 WRRL). „Dabei ist eine ausreichende Häufigkeit der Messungen zu gewährleisten“ (Anhang V 2.2.3), um den Grad von Schädigungen zu ermitteln und Maßnahmen der Abhilfe entwickeln zu können..

Auenökosysteme sind per Definition von Wasserstands- und Grundwasserstandsschwankungen abhängig. Flussauen sind deshalb immer auch grundwasserabhängige Landökosysteme.

Für den Umsetzungsprozess der WRRL ergeben sich hieraus folgende Empfehlungen:

  1. Identifizierung bedeutender grundwasserabhängiger Ökosysteme
    Für die Identifizierung bedeutender grundwasserabhängiger Ökosysteme sind die Fachbehörden der Wasserwirtschaft auf die Mitwirkung der Fachbehörden des Naturschutzes angewiesen. Die Beurteilung der Bedeutung grundwasserabhängiger Ökosysteme sollte jedoch nicht allein auf Grundlage formaler Kriterien (z.B. Schutzgebietsstatus) erfolgen. Letztlich ausschlaggebend sollte die besondere Ausprägung eines grundwasserabhängigen Landökosystems sein, die nur durch die Fachbehörde des Naturschutzes beurteilt werden kann. Die Beurteilung, welche Gebiete als bedeutend einzustufen sind, sollte deshalb einvernehmlich mit den Fachbehörden für Naturschutz erfolgen. Auch sollten die Fachbehörden für Naturschutz aus ihrer Fach- und Gebietskenntnis heraus Hinweise auf mögliche Gefährdungen und Schädigungen der ausgewählten Gebiete geben.
  2. Übernahme bedeutender grundwasserabhängiger Ökosysteme in die Landschaftspläne 
    Mit einer Aufnahme und besonderen Kennzeichnung der grundwasserabhängigen Ökosysteme wie z.B. der Flussauen in die örtliche und überörtliche Landschaftsplanung kann der Belang einer ausreichenden Wasserversorgung dieser Gebiete gestärkt werden und für den Naturschutz eine Grundlage zur Begründung und Ableitung von entsprechenden Maßnahmen zur Sicherung und Verbesserung der Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes geschaffen werden. Auch kann insbesondere der örtliche Landschaftsplan eine objektbezogene Belastungs- und Empfindlichkeitsanalyse grundwasserabhängiger Landökosysteme leisten, um mögliche Gefährdungen objektbezogen einzuschätzen.
  3. Einbeziehung von Faunenelementen bei der Identifizierung und Gefährdungsabschätzung von grundwasserabhängigen Ökosystemen
    Anhang V 1.2 WRRL nennt als ein Kriterium für den guten Zustand des Grundwassers, dass grundwasserabhängige Landökosysteme nicht durch anthropogene Grundwasserstandsänderungen beeinträchtigt sind. In der Regel wird die Betrachtung der Biotoptypen für eine Beurteilung dieser Ökosysteme ausreichen. In Auen und Feuchtwiesen stellen grundwassergespeiste Tümpel jedoch wichtige Ökosystemmerkmale für auch nach europäischem Recht geschützte Tierarten dar. Vorkommen solcher direkt grundwasserabhängigen Tierarten sollten deshalb in die Abgrenzung und Bewertung der bedeutenden grundwasserabhängigen Landökosysteme mit einbezogen werden, um eine übereinstimmende Bewertung von Wasserwirtschaft und Naturschutz im Hinblick auf die Grundwasserverhältnisse dieser Ökosysteme zu gewährleisten.
  4. Entwicklung und Abstimmung eines Biomonitorings
    Die Vorgabe der WRRL, die durch anthropogene Veränderungen des Grundwassers verursachte Schädigung grundwasserabhängiger Ökosysteme zu ermitteln, erweist sich gerade in Flussauen als schwierig, da die in Flussauen von Natur aus großen Grundwasserstandsschwankungen die Differenzierung zwischen natürlichen und anthropogenen Grundwasserstandsänderungen erschweren. Die engen Wechselwirkungen zwischen Oberflächen- und Grundwasser führen aber gerade in Flussauen zu einer besonderen Gefährdung der Ökosysteme infolge anthropogener Grundwasserstandsänderungen. Es erscheint deshalb sinnvoll, zunächst über ein auf die Methodik des FFH -Monitoring abgestimmtes Biomonitoring den Zustand der grundwasserabhängigen Ökosysteme und Lebensraumtypen zu erfassen und eine nähere Analyse der Grundwasserverhältnisse auf die Fälle zu konzentrieren, wo zum Einen anthropogene Einflüsse auf das Grundwasser vorliegen, und zum Anderen ein von den normalen klimabedingten Schwankungen des Ökosystemzustandes abweichender Trend festgestellt wurde.

Letzte Änderung: 28.07.2009

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