Bundesamt für Naturschutz

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Stand der Umsetzung in Deutschland


Die deutschen Bundesländer gehen unterschiedliche Wege beim Management der Natura 2000-Gebiete. Einzelne Länder erarbeiten zunächst Konzepte für einheitliche Verfahrensweisen bei der Aufstellung der Managementpläne, andere beginnen direkt mit der Erstellung von Test- oder Muster-Managementplänen für ausgewählte Gebiete. Zum Teil steht noch die Ersterfassung der Lebensraumtypen und Arten innerhalb der FFH -Gebiete als Grundlage für die Managementplanung im Vordergrund.

Im Rahmen des  Nationalen FFH -Berichts 2007 nach Artikel 17 FFH -Richtlinie wurde die Anzahl bereits fertig gestellter bzw. bearbeiteter Managementpläne in den FFH -Gebieten für alle Bundesländer erhoben. Danach lagen Ende 2006 für etwa 8 % der FFH -Gebiete Managementpläne vor. Dies beinhaltete neben "klassischen" Managementplänen auch vereinfachte oder spezielle Planungsinstrumente, wie z. B. Bewirtschaftungserlasse oder Sofortmaßnahmenkonzepte ( SOMAKO, Nordrhein-Westfalen). Ein Teil der vorliegenden Pflegepläne bedarf noch der Anpassung an die Natura 2000-Erfordernisse.

Managementpläne (inkl. Bewirtschaftungspläne und Sofortmaßnahmenkonzepte) für FFH-Gebiete, Stand 2010

FFH -Gebiete Managementpläne
Fertig erstellt begonnen
Brandenburg 620 284 62
Berlin 15 1 3
Baden-Württemberg 260 - 17
Bayern 674 5 -
Bremen 15 2 2
Hessen 585 1 -
Hamburg 16 - 3
Mecklenburg-Vorpommern 235 4 14
Niedersachen 385 25 22
Nordrhein-Westfalen 515 345 78
Rheinland-Pfalz 120 1 25
Schleswig-Holstein 271 11 15
Saarland 118 17 -
Sachsen 270 78 88
Sachsen-Anhalt 265 5 1
Thüringen 247 2 102
Deutschland insgesamt 4617 744 412

Inzwischen dürften bundesweit ca. 12 % der FFH -Gebiete über einen Managementplan verfügen.
Trotz erheblicher Unterschiede bei der Erstellung und Umsetzung der Managementpläne in den verschiedenen Bundesländern, lassen sich folgende Verallgemeinerungen zur Managementplanung in Deutschland treffen:

  • Die Managementplanung ist im Regelfall eine unabhängige Naturschutzfachplanung.
  • In etwa der Hälfte der Bundesländer ist eine Behördenverbindlichkeit vorgesehen (zum Teil nur für Naturschutzbehörden).
    Die Verbindlichkeit und die Möglichkeiten der Umsetzung können daher in Deutschland eingeschränkt sein, während z. B. in Frankreich die Managementpläne, sog. Documents d'Objectifs (DOCOB) gesetzlich für alle Natura 2000 Gebiete vorgeschrieben sind und allgemein verbindlich in Kraft gesetzt werden.
  • Lebensraumtypen (Anhang I FFH -Richtlinie) und Arten (Anhang II FFH -Richtlinie) sowie Vögel (Anhang I Vogelschutzrichtlinie) sind in allen Bundesländern Gegenstand der Managementplanung.
  • Arten des Anhangs IV und Zugvogelarten werden bisher in den meisten Ländern noch nicht (ausreichend) berücksichtigt.
  • In vielen Bundesländern findet in den Natura 2000-Gebieten eine flächendeckende Planung statt.
  • Die Hälfte der Bundesländer plant parzellenscharf.
  • Eine Kostenschätzung ist Bestandteil der Managementplanung bei etwa der Hälfte aller Länder.
  • Die Umsetzung erfolgt bevorzugt durch Vertragsnaturschutz, ferner durch Kompensationsmaßnahmen, Eigenmittel, Sponsoring oder EU-Kofinanzierung ( Finanzierung).
  • Die regelmäßige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit ist bei der Managementplanung in fast allen Bundesländern vorgesehen. Art und Umfang der Beteiligung sind sehr unterschiedlich und reichen von Informationsveranstaltungen über Runde Tische bis zu Planungsbeiräten.

Einen Überblick (Stand 2004) über die Managementplanung in insgesamt acht Bundesländern in Deutschland sowie in ausgewählten anderen Mitgliedstaaten der EU gibt der Tagungsband "Management in Natura 2000-Gebieten" ( Veröffentlichungen).

Für eine erfolgreiche Umsetzung des europäischen ökologischen Netzes Natura 2000 sind die Managementplanung, die Bereitstellung der notwendigen Instrumente zur  Förderung und Finanzierung sowie die rechtliche Sicherung der Gebiete essentiell und sollten Hand in Hand gehen.

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Letzte Änderung: 17.01.2011

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