Bundesamt für Naturschutz

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Methodik und Ablauf der Berichtserstellung


Die Erhebung der Daten zu Arten und Lebensraumtypen der FFH -Richtlinie sowie die Bewertung des Zustands ihrer Einzel-Vorkommen obliegt im föderalen System Deutschlands den Bundesländern.


  1. Für die Erstellung eines nationalen Berichts werden die Daten der Länder von den Länderministerien bzw. -fachbehörden an das Bundesamt für Naturschutz (BfN) geliefert.
  2. Das BfN aggregiert im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) die Daten und erarbeitet einen Berichtsentwurf einschließlich der Bewertung des Erhaltungszustands von Arten und Lebensraumtypen auf Ebene der biogeografischen Regionen in Deutschland ab.
  3. Die Berichtsentwürfe des BfN werden auf sogenannten Bewertungskonferenzen zu den einzelnen biogeografischen Regionen bzw. thematischen Bereichen mit den Ländern diskutiert und abgestimmt.
  4. Es folgt eine Ressortabstimmung des Nationalen Berichts zwischen dem BMUB und weiteren einzubeziehenden Bundesministerien, bevor die Berichtsdaten in elektronischer Form an die EU übermittelt werden.
  5. Die EU erstellt aus den Berichten der einzelnen Mitgliedsstaaten dann innerhalb von zwei Jahren einen Gemeinschaftsbericht.

Datenquellen und Methodik der Erfassung und Bewertung

Die Daten zu Arten und Lebensraumtypen, deren Erhaltungszustand im Nationalen FFH -Bericht zu bewerten ist, stammen aus verschiedenen Quellen:

Erfassung durch Bundesländer

Die Erfassungen der Vorkommen durch verschiedene Kartierprogramme der Bundesländer bilden die Basis, die eine räumliche Verortung von Artpopulationen und vorhandenen Lebensraumtypenflächen einerseits sowie die Erhebung zugehöriger Sachdaten andererseits beinhalten.

Die Lage der Vorkommen wird durch Nummern der TK25-Kartenblätter (Topografische Karten 1:25.000), in denen sie verortet sind, festgehalten. Zum Teil erfolgt die Verortung noch genauer durch Angabe von TK25-Quadranten oder Koordinaten. Die Sachdaten umfassen Angaben der Länder zu den Parametern „Verbreitungsgebiet“ sowie „Population“ und „Habitat“ (Arten) bzw. „Fläche“ und „Spezifische Strukturen und Funktionen“ (Lebensraumtypen) sowie „Zukunftsaussichten“.

Außerdem liefern die Länder Einschätzungen zu aktuellen Beeinträchtigungen und zukünftig voraussichtlich wirksamen Gefährdungen. Um eine standarisierte Eingabe der für die Parameter gefragten Einzelangaben zu ermöglichen, steht den Ländern eine sogenannte „Elektronische Ausfüllhilfe“ (Eingabeprogramm mit Datenbank) zur Verfügung. Die Vorkommensdaten werden mittels eines Geografischen Informationssystems (GIS) verarbeitet. 

Sonder-arbeitsgruppen für Wanderfische, Wolf, Luchs

Die Berichtsentwürfe für einzelne Artengruppen wurden unter Leitung des BfN durch besondere Arbeitsgruppen erarbeitet. Dies trifft auf die Gruppe der Wanderfische (Fischarten, die zu ihren Laichgewässern weite Strecken wandern wie z.B. der Lachs) sowie auf die in Deutschland vorkommenden großen Raubsäugetiere Wolf und Luchs zu.

Die Arbeitsgruppe zu den Wanderfischen setzte sich aus Expertinnen und Experten der Länder sowie von diesen und dem BfN zusätzlich beauftragten/eingeladenen Personen zusammen. Die Arten Wolf und Luchs wurden durch den Arbeitskreis der im Monitoring von Großraubtieren besonders erfahrenen Personen bearbeitet.

Diese Fachleute trafen sich für den Nationalen Bericht auf Einladung des BfN als Sonderarbeitsgruppen, um ihre Ergebnisse zu diskutieren und zu Bewertungen der Einzelparameter sowie des daraus ermittelten Erhaltungszustandes der Arten zu gelangen. Im Zuge dieser Treffen einigten sich die Sonderarbeitsgruppen weiterhin auf Vorkommenskarten und wichtige Faktoren der Beeinträchtigungen und Gefährdungen.

FFH-Monitoring

Für den Nationalen Bericht 2013 konnte erstmals auf umfangreiche zusätzliche Daten eines neu etablierten und bundesweit einheitlichen FFH -Monitorings der Lebensraumtypen sowie Arten der Anhänge II und IV der FFH -Richtlinie zurückgegriffen werden. Dessen Fachkonzept sieht die Erfassung häufiger Schutzgüter über je 63 Stichproben-Vorkommen pro biogeografischer Region vor. Seltene Lebensraumtypen und Arten werden dagegen über alle ihre bekannten Vorkommen erfasst (Totalzensus).

Methodik, Untersuchungsumfang und Schwellenwerte für die Bewertung der einzelnen Vorkommen sind in  Bewertungsschemata festgelegt, die von Bund, Ländern und weiteren Expertinnen und Experten erarbeitet wurden. Die Ergebnisse der Bewertung dieser Probeflächen wird bei den Lebensraumtypen in die Bewertung des Parameters "Spezifische Strukturen und Funktionen", bei den Arten in die Bewertung der Parameter "Population" und "Habitat" einbezogen.

Durch die standardisierte Datenerfassung lassen sich nach mehreren Erhebungsdurchgängen auch Trendanalysen vornehmen. Bisher wird das FFH -Monitoring in der atlantischen sowie der kontinentalen biogeografischen Region umgesetzt. Die Übertragung auf die alpine Region steht noch aus. 

Bundeswald-inventur

Weitere wertvolle Daten lieferte die dritte Bundeswaldinventur (BWI-2012), wodurch erstmals Information aus einer forstlichen Großrauminventur systematisch in die FFH -Berichterstattung eingeflossen ist.

Für die häufigen Waldlebensraumtypen (WLRT) der Hainsimsen- (EU-Code 9110) und Waldmeister-Buchenwälder (9130) in der atlantischen sowie der kontinentalen biogeografischen Region und ferner die Sternmieren- (9160) und Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder (9170) sowie die bodensauren Nadelwälder (9410) in der kontinentalen biogeografischen Region konnten aus der BWI-2012 Eingangsdaten zur Bewertung des Parameters „Spezifische Strukturen und Funktionen“ gewonnen werden, die in den Berichtsentwurf eingeflossen sind.

Zudem konnten bei weiteren WLRT, die durch das FFH -Monitoring untersucht werden, BWI-Daten berücksichtigt werden. Die BWI-2012 arbeitet auf einem systematischen Stichprobenraster (Rasterweite 4 x 4 km, regionale Verdichtungen auf 2,83 x 2,83 km bzw. 2 x 2 km), wobei an jedem Rasterschnittpunkt ein quadratischer Inventurtrakt mit 150 m Kantenlänge angelegt ist. An den Traktecken wurden Kenngrößen der Merkmalsgruppen „Arteninventar“, „Habitatstrukturen“ und „Beeinträchtigungen“ erfasst. Die Kriterien zur Ansprache der WLRT, die Bewertungsschemata für die genannten Merkmalsgruppen sowie die Aggregationsregeln zur Zusammenführung der Bewertungen für den Parameter „Spezifische Strukturen und Funktionen“ sind zuvor in einem gemeinsamen Methodenpapier zwischen dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), dem BfN und dem Thünen-Institut für Waldökosysteme abgestimmt worden. 

Datenaggregation und Berichtsentwurf

Die aus den vorstehend genannten Quellen stammenden Vorkommens- und Sachdaten zu Arten und Lebensraumtypen der Anhänge der FFH -Richtlinie werden durch das BfN im Zuge einer Qualitätssicherung auf Vollständigkeit und Plausibilität geprüft und in umfangreichen Datenbanken zusammengeführt. Die aggregierten Vorkommensdaten bilden den Ausgangspunkt für die regelbasierte Abgrenzung der Verbreitungsgebiete der Arten und Lebensraumtypen und ihrer Abbildung in deutschlandweiten Karten.

Die aggregierten Sachdaten werden zur Ableitung der Bewertungsvorschläge des BfN zu den Parametern "Verbreitungsgebiet" sowie "Population" und "Habitat" (Arten) bzw. "Fläche" und "Spezifische Strukturen und Funktionen" (Lebensraumtypen) und "Zukunftsaussichten" herangezogen und in Berichtsentwürfen für die verschiedenen biogeografischen Regionen (atlantisch, kontinental und alpin) zusammengestellt. Für den Nationalen FFH -Bericht 2013 kamen zu den Berichtsentwürfen für die Regionen noch separate Entwürfe für die marinen Lebensraumtypen und Arten der Nord- und Ostsee (und ihrer Küstenbereiche) sowie für die Lebensraumtypen der Wälder hinzu.

Berichtsabstimmung

Die Bewertungsvorschläge werden in einem nächsten Schritt auf sogenannten Bewertungskonferenzen mit den Länderministerien und -fachbehörden des Naturschutzes diskutiert.

Die Konferenzen fanden vom 22. – 25. April 2013 für die atlantische biogeografische Region, vom 18. – 19. Juli 2013 für die alpine Region und vom 16. – 19. September 2013 für die kontinentale Region statt. Sie separaten Bewertungskonferenzen für die  Lebensraumtypen und Arten der Meere und Küsten wurden vom 05. – 06. Juni 2013 sowie für die Waldlebensraumtypen vom 28. – 30. August abgehalten.

Die Bewertungen zu den einzelnen Parametern sowie zum Erhaltungszustand, auf die sich die Teilnehmenden der Konferenzen einigen, fanden Eingang in den vorläufig abschließenden Nationalen Bericht 2013, der abschließend die Ressortabstimmung zwischen dem BMUB und weiteren einzubeziehenden Bundesministerien durchlief.

Elektronische Berichtsübermittlung und EU-Gemeinschaftsbericht

Im Anschluss an die Ressortabstimmung erfolgte am 15. November 2013die elektronische Übermittlung des Nationalen Berichts durch das BfN an die EU. Auf EU-Seite durchliefen die Daten eine technische und inhaltliche Prüfung durch das Europäische Themenzentrum für Biodiversität (ETC/BD). Auf dessen Prüfbericht hin wurden letzte Korrekturen vorgenommen, bevor der Nationale FFH -Bericht 2013 in endgültiger Form erneut am 20. Dezember 2013 elektronisch an die EU übermittelt wurde.

Die EU erstellt auf Basis der Nationalen Berichte ihrer einzelnen Mitgliedsstaaten innerhalb von zwei Jahren einen sogenannten  Gemeinschaftsbericht.

Letzte Änderung: 26.03.2014

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