Bundesamt für Naturschutz

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Landwirtschaft in Natura 2000-Gebieten


Bei vielen Lebensraumtypen und Habitaten von Arten ist eine  angepasste Landbewirtschaftung für ihre Erhaltung essentiell. Gleichzeitig ist es unvermeidlich, dass sich der Erhaltungszustand einzelner Teilflächen infolge der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung ändern kann. Auch in Natura 2000-Gebieten kann sich der Erhaltungszustand einzelner Teilflächen (zeitweilig) verschlechtern oder auch verbessern. Die Gesamtfläche eines Lebensraumtyps  oder der Gesamtbestand einer Art sollte aber innerhalb eines FFH -Gebiets mittelfristig stabil bleiben oder zunehmen. Daraus resultiert ein Handlungsspielraum für dynamisches Management, der bei der Abstimmung und Umsetzung eines Managementplans mit Flächennutzern und -eigentümern genutzt werden kann, z. B. um sozioökonomischen Interessen entgegen zu kommen, sofern die Erhaltungs- und Entwicklungsziele dadurch nicht gefährdet werden.

Die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen in Natura 2000-Gebieten, die und deren Umfeld für die Erhaltung der jeweiligen Schutzgüter nicht bedeutsam sind, sollte generell auf den Naturschutz ausgerichtet sein, auch wenn die jeweiligen Flächen nicht direkt Lebensraumtypen- oder Artenvorkommen beinhalten. Etwa 10% der Acker- und Grünlandflächen eines jeden Betriebs sollten als ökologische Vorrangflächen behandelt werden. Hierfür werden z. B. selbstbegrünte Brachflächen, Blühstreifen, artenreiches Grünland und Saumstreifen an Gewässern und Waldrändern vorgeschlagen. Eine naturverträgliche Nutzung des Aufwuchses dieser Flächen ist möglich und erwünscht, sollte sich jedoch nach den naturschutzfachlichen Anforderungen an die  gute fachliche Praxis in der Landwirtschaft richten.

Dies vermindert mögliche negative Auswirkungen von Dünger- oder Pestizideinträgen und schafft die notwendigen Pufferzonen.
Der Anbau von GVO -Pflanzen sollte in Natura 2000-Gebieten und in einer 1000 m breiten Pufferzone ganz unterbleiben. Er dürfte aufgrund der notwendigen FFH -Verträglichkeitsprüfungen und dem hier festgelegten Vorsorgeprinzip im Regelfall auch nicht genehmigungsfähig sein, da ein Restrisiko einer erheblichen Beeinträchtigung nicht ausgeschlossen werden kann.

Ein wichtiger Bestandteil der Kulturlandschaft und der landwirtschaftlichen Flächennutzung ist das Grünland. Es ist zugleich ein bedeutender Lebensraum für Vögel und andere Tier- und Pflanzenarten. Doch erhöhte Schnitthäufigkeit und Düngung sowie Trockenlegung von Feuchtwiesen führten sowohl in standörtlicher und struktureller Hinsicht als auch im Hinblick auf das Arteninventar zu einer Monotonisierung der Bestände. Derzeit ist Grünland durch die zunehmend intensive landwirtschaftliche Produktion und die Umwandlung zu Ackerflächen für die Erzeugung von Biomasse gefährdet. Grünlandumbruch, der FFH -Lebensraumtypen in Natura 2000-Gebieten betrifft, verstößt jedoch gegen die Cross Compliance Bestimmungen und gegen das Verschlechterungsverbot der FFH -Richtlinie.
 Hintergrundinformationen und Empfehlungen des BfN zum Grünlandumbruch

Für die Finanzierung von Beiträgen landwirtschaftlicher Betriebe zum Management von Natura 2000-Gebieten können insbesondere europäische Mittel nach der ELER-Verordnung sowie die Agrarumweltprogramme und der Vertragsnaturschutz der Bundesländer eingesetzt werden. Durch eine  Honorierung ökologischer Leistungen können Kulturlandschaften gefördert und erhalten werden.

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Letzte Änderung: 21.03.2011

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