Bundesamt für Naturschutz

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Anforderungen an die Managementpläne für Natura 2000-Gebiete


Unter der irischen Präsidentschaft wurde im Oktober 1996 mit Unterstützung der Europäische Kommission ein internationales Seminar ("Galway-Seminar") über Managementplanung in Natura 2000-Gebieten durchgeführt ( Europäische Kommission 1997). Ziel war es u. a. eine Empfehlung über die notwendigen Inhalte eines guten Managementplans zu formulieren. Folgende Punkte gehören zu den wichtigsten Inhalten eines Natura 2000-Managementplans:

  • eine politische Aussage mit Bezug auf Artikel 6 der FFH -Richtlinie,
  • Gebietsbeschreibung einschließlich einer Analyse früherer Landnutzungsformen,
  • Erfassung und Bewertung des Ist-Zustandes der Schutzgüter,
  • Definition der kurz- und langfristig zu erreichenden Schutzziele,
  • Beschreibung der Hemmnisse und Akteure, die diesen Zielen entgegenstehen,
  • Zusammenstellung der realistisch umsetzbaren Maßnahmen zur Erhaltung bzw. Entwicklung des Gebietes und der Schutzgüter,
  • Zeit- und Kostenplan einschließlich der möglichen Finanzierungsinstrumente,
  • Vorschläge für ein Monitoring und die Erfolgskontrolle,
  • Konzeption für die intensive Information und Beteiligung der Öffentlichkeit.

Sofern bei der Erstellung eines Managementplans noch keine oder keine ausreichend aktuellen Daten vorliegen, ist die (Erst-) Erfassung der Lebensraumtypen und der Habitate der Arten (einschließlich von Entwicklungspotenzialen) sowie die Bewertung ihres Erhaltungszustands ( Bewertungsschemata) ein weiterer entscheidender Bestandteil des Managementplans. Als Grundlage für die Maßnahmenplanung sollte außerdem eine grobe Analyse der Nutzungssituation im jeweiligen Gebiet vorgenommen und ein Leitbild für seine zukünftige Entwicklung formuliert werden.

Innerhalb eines Managementplans sollten sowohl Erhaltungs- als auch Entwicklungsziele formuliert werden. Bei der Aufstellung eines Managementplans müssen diese gebietsspezifisch und hinreichend konkret ausgearbeitet werden. Innerhalb eines FFH -Gebiets können die Erhaltungs- und Entwicklungsziele bei Bedarf räumlich differenziert werden. Dabei sind der aktuelle Zustand sowie die Entwicklungspotenziale der einzelnen Teilflächen entscheidend. Folgende Punkte sind zu beachten:

  • die Lösung naturschutzfachlicher Zielkonflikte,
  • der quantitative Erhalt der im Gebiet vorhandenen Arten (Populationen) und Lebensraumtypen (Fläche),
  • der qualitative Erhalt bzw. die Verbesserung der Vorkommen im Gebiet in ihren jeweiligen Erhaltungszuständen,
  • die Entwicklungspotenziale für Arten und Lebensraumtypen, die sich derzeit in einem schlechten Erhaltungszustand befinden.

Unter einer "intensiven Öffentlichkeitsbeteiligung" ist entsprechend der englischen Textversion ("a detailed consultation process") ein partizipativer Prozess als  Beteiligungsverfahren zu verstehen, der eine Abstimmung der vorgeschlagenen Maßnahmen mit Eigentümern und Nutzern sowie das Aufzeigen von Umsetzungsmöglichkeiten (z. B. Fördermöglichkeiten) beinhaltet.

Mit Hinblick auf die nach den nationalen Berichten in der biogeographischen Region mit "unzureichend" bzw. "schlecht" bewerteten Lebensraumtypen und Arten kann es erforderlich sein, Aspekte einer übergeordneten Planung bei den Managementplänen zu berücksichtigen.

Letzte Änderung: 21.03.2011

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