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Das Vogelschutzgebiet Pommersche Bucht


 Transkript des Videos zum Vogelschutzgebiet Pommersche Bucht

Rund 200.400 ha für den marinen Vogelschutz - was zunächst groß erscheint, relativiert sich, wenn man die Anzahl der Seevögel betrachtet, die sich im Vogelschutzgebiet Pommersche Bucht im Laufe des Jahres aufhalten. Bis zu einer halben Million Meeresenten, dazu kommen hunderte der seltenen See- und Lappentaucher, die hier den Winter verbringen. Die herausragenden Merkmale der Pommerschen Bucht für Seevögel sind deren Nahrungsreichtum und Eisfreiheit im Winter.

Abgrenzung des Gebietes

Haubentaucher (Podiceps cristatus) Foto: S-E. Arndt
Haubentaucher (Podiceps cristatus) Foto: S-E. Arndt
Ohrentaucher (Podiceps auritus) Foto: H-G. Arndt
Ohrentaucher (Podiceps auritus) Foto: H-G. Arndt

Die Abgrenzung des Vogelschutzgebietes erfolgte insbesondere entsprechend den Verbreitungsschwerpunkten der so genannten Anhang I-Arten der Vogelschutzrichtlinie und einiger Zugvogelarten. Die Unterschutzstellung dient der dauerhaften Erhaltung und Wiederherstellung des Meeresgebietes in seiner Funktion als Nahrungs-, Überwinterungs-, Mauser-, Durchzugs- und Rastgebiet für diese Arten, insbesondere für Sterntaucher, Prachttaucher, Ohrentaucher, Zwergmöwe, Fluss- und Küstenseeschwalbe (Anhang I-Arten) sowie für die regelmäßig anzutreffenden Zugvogelarten, besonders für Rothalstaucher, Eisente, Trauerente, Samtente, Sturmmöwe, Heringsmöwe, Trottellumme, Tordalk und Gryllteiste. In der Schutzgebietsverordnung werden umfangreiche Schutz- und Erhaltungsziele für diese Arten festgelegt.

Das Vogelschutzgebiet Pommersche Bucht überschneidet sich mit den gemeldeten Natura 2000 - Gebieten Oderbank und Adlergrund und beinhaltet somit auch wichtige Sandbänke und Riffe, die den Seevögeln als Nahrungshabitat dienen. In der Nähe ihrer Nahrungsgebiete rasten und mausern die Seevögel an der Meeresoberfläche oftmals in hohen Konzentrationen. Doch auch Meeresgebiete zwischen diesen Konzentrationsbereichen wurden in das Vogelschutzgebiet eingeschlossen, damit die Seevögel auch geschützt sind, wenn sie in strengen Wintern vor den entstehenden Eisfeldern ausweichen müssen.


Rothalstaucher (Podiceps grisegena) Foto: S-E. Arndt
Rothalstaucher (Podiceps grisegena) Foto: S-E. Arndt
Prachttaucher (Gavia arctica) im Prachtkleid. Foto: S-E. Arndt
Prachttaucher (Gavia arctica) im Prachtkleid. Foto: S-E. Arndt
Zwergmöwe (Hydrocoloeus minutus) Foto: S-E. Arndt
Zwergmöwe (Hydrocoloeus minutus) Foto: S-E. Arndt
Gryllteiste (Cepphus gryllus) Foto: S-E. Arndt
Gryllteiste (Cepphus gryllus) Foto: S-E. Arndt

Schlüsselarten im Schutzgebiet
Schlüsselarten Anzahl*
Sterntaucher 10-50 (w) 750 (f)
Prachttaucher 310 (f) 700 (h)
Rothalstaucher 170 (w) -
Ohrentaucher 490 (w) -
Eiderente 130 (w) -
Eisente 130.000 (w) 77.000 (f)
Trauerente 47.000 (w) 170.000 (f)
Samtente 30.000 (w) 43.000 (f)
Mittelsäger - 1-5 (f)
Zwergmöwe 11-50 (f) 130 (h)
Flussseeschwalbe nachgewiesen geringe Zahl, unregelmäßig
Küstenseeschwalbe nachgewiesen z.Zt. keine Bestandszahlen
Gryllteiste 690 (w) -

w = Winter, s = Sommer, f = Frühjahr, h = Herbst,
b = Brutzeit, n = Nachbrutzeit

*Mendel et al. (2008):
 Artensteckbriefe von See- und Wasservögeln der deutschen Nord- und Ostsee, Naturschutz und Biologische Vielfalt Heft 59

Wichtige Schutzziele

Zur Sicherung des Überlebens und der Vermehrung der genannten Vogelarten und zur Sicherung ihrer Lebensräume ist insbesondere erforderlich die Erhaltung und Wiederherstellung…


  1. des qualitativen und quantitativen Bestandes der Vogelarten mit dem Ziel der Erreichung eines günstigen Erhaltungszustandes unter Berücksichtigung der natürlichen Populationsdynamik und Bestandsentwicklung; Vogelarten mit einer negativen Bestandsentwicklung ihrer biogeographischen Population sind besonders zu berücksichtigen,
  2. der wesentlichen direkten und indirekten Nahrungsgrundlagen der Vogelarten, insbesondere natürlicher Bestandsdichten, Altersklassenverteilungen und Verbreitungsmuster der den Vogelarten als Nahrungsgrundlagen dienenden Organismen,
  3. der für das Gebiet charakteristischen erhöhten biologischen Produktivität an den vertikalen Frontenbildungen und der geo-hydromorphologischen Beschaffenheiten mit ihren artspezifischen ökologischen Funktionen und Wirkungen,
  4. unzerschnittener Lebensräume im Naturschutzgebiet mit ihren jeweiligen artspezifischen ökologischen Funktionen, räumlichen Wechselbeziehungen sowie des ungehinderten Zugangs zu angrenzenden und benachbarten Meeresbereichen,
  5. der natürlichen Qualität der Lebensräume, insbesondere ihre Bewahrung vor Verschmutzungen und Beeinträchtigungen sowie der Schutz der Vogelbestände vor erheblichen Belästigungen.

Bedeutung des Schutzgebietes am Beispiel einiger Meeresenten

Eisenten

Eisenten sind sowohl im Winter als auch im Frühjahr in sehr großer Anzahl in weiten Teilen der deutschen Ostsee zu finden. Ihr größtes zusammenhängendes Aufenthaltsgebiet ist im Winter (Dezember - Februar) der Bereich nördlich von Usedom und östlich von Rügen. Rund 130.000 Individuen halten sich dann im Schutzgebiet auf, ein Großteil des Überwinterungsbestands der deutschen Ostsee. Der Hauptzug in die deutsche Ostsee findet von Ende Oktober bis Anfang Dezember statt. Die Oderbank und der Adlergrund werden dann (Herbst = Anfang Oktober - Ende November) bevorzugt aufgesucht. Vermutlich nutzen die Enten die hier guten Nahrungsbedingungen, um ihre Fettreserven nach der anstrengenden Brut- und Zugzeit wieder aufzufüllen. Der Heimzug in die Brutgebiete setzt ab Anfang Februar ein und erreicht Ende März bis Ende April seinen Höhepunkt.

Trauerenten

Trauerenten sind im Winter in der deutschen Ostsee weit verbreitet. Im Frühjahr (März - Mai) liegt der Hauptverbreitungsschwerpunkt auf der Oderbank. Während im Winter (Dezember - Februar) hier „nur“ ca. 47.000 Individuen überwintern, halten sich im Frühjahr ca. 170.000 im Schutzgebiet auf. Im Sommer (Juni - September) gilt die Pommersche Bucht auch als ein wichtiger Mauserbereich der Trauerenten.

Samtenten

Samtenten halten sich sowohl im Winter (Dezember - Februar) als auch im Frühjahr (März - Mai) zwischen dem Greifswalder Bodden und den deutschen und polnischen Teilen der Pommerschen Bucht bis in den Bereich des Adlergrundes auf. Rund 30.000 bis 45.000 Individuen sind in dieser Zeit im Schutzgebiet zu finden, ein Großteil des gesamten Überwinterungsbestandes in der deutschen Ostsee!


Eisentenerpel (Clangula hyemalis) Foto: M. Hauswirth (BfN)
Eisentenerpel (Clangula hyemalis) Foto: M. Hauswirth (BfN)
Trauerentenerpel (Melanitta nigra) Foto: M. Hauswirth (BfN)
Trauerentenerpel (Melanitta nigra) Foto: M. Hauswirth (BfN)
Samtentenerpel (Melanitta fusca) Foto: S-E. Arndt
Samtentenerpel (Melanitta fusca) Foto: S-E. Arndt
 

Natura 2000-Gebiete in der AWZ der deutschen Ostsee:

 

 Ostsee

 Fehmarnbelt

 Kadetrinne

 Adlergrund

 Westliche Rönnebank

 Oderbank

Pommersche Bucht

Karte Ostsee

Zeigt die Karte Natura 2000-Schutzgebiete nach FFH-Richtlinie und EU-Vogelschutzrichtlinie im Hoheitsbereich und in der deutschen AWZ der Ostsee.

Natura 2000-Schutzgebiete nach FFH -Richtlinie und EU-Vogelschutzrichtlinie im Hoheitsbereich und in der deutschen AWZ der Ostsee.
(Karte: Stand 07.2011)
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Zeigt die Grafik Natura 2000-Schutzgebiete in der deutschen AWZ der Ostsee mit Darstellung des Meeresbodens. Grafik: C.Terstegge

Natura 2000-Schutzgebiete in der deutschen AWZ der Ostsee mit Darstellung des Meeresbodens.
(Grafik: Stand 07.2011)
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