Bundesamt für Naturschutz

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Öl- / Gasaufsuchung und -gewinnung


Gasförderplattform A6B4 nahe der Doggerbank. Foto: BfN
Gasförderplattform A6B4 nahe der Doggerbank. Foto: BfN

Aktivitäten zur Aufsuchung und Gewinnung von Öl und Gas beschränkten sich in den deutschen Gewässern bisher v.a.  auf die Nordsee. Bei vielen dieser Bohrungen wurden keine wirtschaftlich nutzbaren Rohstofflagerstätten gefunden.
Die Bohrungen erfolgen mittels mobilen oder festen Förderplattformen, wobei wasser- oder ölbasierte Bohrspülungen zum Einsatz kommen. Bei wasserbasierten Methoden werden das Bohrklein und das Spülwasser wieder im Meer entsorgt. Bei den ölbasierten Verfahren werden Bohrklein und Spülwasser aus Umweltschutzgründen an Land entsorgt.

Seismische Vorerkundungen belasten marine Lebensvielfalt

Vor den Bohrungen werden jedoch umfangreiche seismische Untersuchungen angestellt. Mit sogenannten Airguns werden in rascher Folge Schallwellen mit sehr hohen Pegeln ausgesendet, Reflektionen von den unterschiedlichen Schichten des Meeresuntergrundes geben Auskunft über mögliche Lagerstätten. Seit 1997 wurden insgesamt 4.276 km² der deutschen AWZ der Nordsee allein mit der sog. 3D-Seismik untersucht. Das sind in etwa 15% der Gesamtfläche. Seismische Untersuchungen führen zu den stärksten anthropogenen Belastungen der Meere mit Unterwasserschall (näheres hierzu  Unterwasserschall).

Förderanlagen in deutschen Meeren

Die einzige aktive Ölbohrinsel der deutschen Nordsee (Mittelplate) befindet sich in Küstennähe im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer. Die Genehmigung hierfür wurde noch vor Einrichtung des Nationalparks erteilt und hat daher Bestandsschutz.
Erdgas wird seit dem Jahr 2000 auf der Doggerbank gewonnen. Das Gas gelangt über eine Pipeline auf dem direkten Weg ans Festland.
Im Bereich der Emsmündung (Dukegat) wurde zwischen 1993 und 2009 auf der unbemannten Plattform Manslagt Z1 Erdgas gefördert. Seit 2012 wird die Plattform zurückgebaut.
In der deutschen Ostsee wurde in den Jahren 1984 bis 2000 auf den ca. 4 km vor der schleswig-holsteinischen Ostseeküste gelegenen, inzwischen zurückgebauten Plattformen Schwedeneck A und Schwedeneck B Öl gefördert. 

Auswirkungen auf die Natur

Die Aufsuchungs- und Bohraktivitäten haben besonders Einfluss auf den Meeresboden, das Meerwasser sowie die auf und im Meeresboden lebenden Organismen und die Fische.
Durch die Rammungen der Führungsrohre (Konduktoren) entstehen starke Schallemissionen, die weiträumige Auswirkungen auf Meeressäugetiere haben können. Dies gilt umso mehr für die seismischen Erkundungs-Untersuchungen. Die Tiere können wie bei den Rammungen Hörverlust und Taubheit erleiden. Außerdem besteht auch hier die Möglichkeit, die innerartliche akustische Kommunikation (besonders bei den Meeressäugetieren) zu überlagern.
Eine Vertreibung von Meeressäugetieren, Fischen und Vögeln ist durch die Arbeitsschiffe und die genannten Schallbelastungen ebenso möglich.
Das Abfackeln von anfallenden, nicht nutzbaren Gasen kann bei schlechter Sicht oder bei Nacht für Zugvögel einen Anlockeffekt haben. Dies könnte bei Massenzug zu Beeinträchtigungen führen.
Obgleich die Sicherheitsvorkehrungen zur Unfallverhütung in den letzten Jahren stetig verbessert wurden, bleiben nach wie vor Risiken von Leckagen oder gar eines Ölunfalls an den Bohrinseln, Pipelines oder Transportschiffen bestehen. Die Auswirkungen eines Ölunfalls wären gravierend für alle Meeresorganismen!

Die Abteilung Meeresnaturschutz