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Das Schutzgebiet Kadetrinne


Die Kadetrinne ist ein bis zu 32 m tief in die Darßer Schwelle eingeschnittenes Rinnensystem, durch das etwa 70 % des Wasseraustausches zwischen der Nord- und Ostsee erfolgt. Zusammen mit dem Fehmarnbelt hat dieses Rinnensystem eine wichtige Funktion für den Austausch von Arten und ist von entscheidender Bedeutung für die Versorgung der Ostsee mit sauerstoffreichem, salzhaltigerem Nordseewasser.


Fakten zur Kadetrinne ( FFH -Gebiet)
Steckbrief  Kadetrinne
EU-Code: DE 1339-301
Lage (Gebietsmittelpunkt):
 12°15'00" E 54°30'00" N
Lebensraumtypen Riffe ca. 23 km²
Arten/Anzahl Schweinswal
(Phocoena phocoena)    
> 10

Abgrenzung des Schutzgebiets

Seeanemonen haben hier ihre Verbreitungsgrenze. Foto: D. Schories (BfN)
Seeanemonen haben hier ihre Verbreitungsgrenze. Foto: D. Schories (BfN)

Die Abgrenzung des ca. 100 km² umfassenden Schutzgebiets mit Wassertiefen von 18 m bis 32 m erfolgte vor allem nach dem Vorkommen des Lebensraumtyps „Riffe“. Von der Darßer Schwelle reichen mehrere Riffvorkommen in die eigentliche Rinne hinein. Charakteristisch ist der Bewuchs dieser Blocksteinfelder mit Großalgen und Miesmuscheln. Bis in eine Tiefe von 18 m sind die Steinriffe mit Braunalgen, vor allem Zuckertang bewachsen. Rotalgen kommen bis in 24 m Tiefe vor. Dies ist für die südliche Ostsee ungewöhnlich und setzt gute und beständige Licht- und Sauerstoffverhältnisse voraus. Miesmuscheln sind weit verbreitet und leben in großer Dichte auf den Blocksteinen.


Miesmuscheln (Mytilus edulis). Foto: Hübner/Krause (BfN)
Miesmuscheln (Mytilus edulis). Foto: Hübner/Krause (BfN)
Dicht bewachsener Blockstein. Foto: Hübner/Krause (BfN)
Dicht bewachsener Blockstein. Foto: Hübner/Krause (BfN)

Die besondere ökologische Wertigkeit des Schutzgebietes ist vor allem durch die hohe Strukturvielfalt der Riffe bedingt. Diese und die hier teilweise noch hohe Salinität ermöglichen die Besiedlung durch eine sehr artenreiche benthische Fauna mit der bislang höchsten Anzahl an Rote-Listen-Arten in vergleichbaren FFH -Gebieten der deutschen Ostsee.

Schweinswale kommen regelmäßig im Schutzgebiet und den umgebenden Gewässern vor bzw. durchschwimmen das Gebiet auf ihren Wanderungen. Als FFH -Anhang II-Art werden sie hier mitgeschützt. Während Flugzeugerfassungen keine Sichtungen erbrachten, belegen POD-Daten (Porpoise Click Detector = Unterwasser-Mikrofon, das die Schweinswal-Laute aufzeichnet) eine häufige Nutzung der Kadetrinne durch die Kleinwale.

Schutz- und Erhaltungsziele

Für die abgrenzungsrelevanten Lebensraumtypen und Tierarten wurden allgemeine Schutz- und Erhaltungsziele festgelegt.

  • Erhaltung und Wiederherstellung der spezifischen ökologischen Funktionen, der biologischen Vielfalt und der natürlichen Hydro- und Morphodynamik des Gebietes;
  • Erhaltung des ungestörten Austausches von Nord- und Ostseewasser und der Verbindungsfunktion für die Ökosysteme der westlichen und zentralen Ostsee;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes des Lebensraumtyps „Riffe“  Code 1170 mit seinen charakteristischen und gefährdeten Lebensgemeinschaften und Arten;
  • Erhaltung und Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes der FFH -Art Schweinswal und seiner Habitate (u.a. durch ASCOBANS Recovery Plan of Harbour Porpoise in the Central Baltic).

Zuckertang (Laminaria saccharina) bis in 24 m Tiefe. Foto: Hübner/Krause (BfN)
Zuckertang (Laminaria saccharina) bis in 24 m Tiefe. Foto: Hübner/Krause (BfN)
Dorsch (Gadus morhua). Foto: S. Gust
Dorsch (Gadus morhua). Foto: S. Gust

Natura 2000-Gebiete in der AWZ der deutschen Ostsee:

 

 Ostsee

 Fehmarnbelt

Kadetrinne

 Adlergrund

 Westl. Rönnebank

 Oderbank

 Pommersche Bucht

Karte Ostsee

Zeigt die Karte Natura 2000-Schutzgebiete nach FFH-Richtlinie und EU-Vogelschutzrichtlinie im Hoheitsbereich und in der deutschen AWZ der Ostsee.

Natura 2000-Schutzgebiete nach FFH -Richtlinie und EU-Vogelschutzrichtlinie im Hoheitsbereich und in der deutschen AWZ der Ostsee.
(Karte: Stand 07.2011)
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Zeigt die Grafik Natura 2000-Schutzgebiete in der deutschen AWZ der Ostsee mit Darstellung des Meeresbodens. Grafik: C.Terstegge

Natura 2000-Schutzgebiete in der deutschen AWZ der Ostsee mit Darstellung des Meeresbodens.
(Grafik: Stand 07.2011)
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