Bundesamt für Naturschutz

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Fischerei und Fischbestände


Hochseekutter, Foto: C. Pusch (BfN)
Hochseekutter, Foto: C. Pusch (BfN)

Konfliktfelder

Weltweit sind aufgrund zu hoher Fischereiintensität zahlreiche Fischbestände überfischt (30%) oder stehen sogar kurz vor dem Zusammenbruch. 57 % werden bis an die Grenze ihrer biologischen Kapazitäten befischt (FAO 2012). Gleichzeitig hat der Anteil der nicht voll ausgeschöpften Bestände seit Anfang der 1980er Jahre kontinuierlich abgenommen und beträgt aktuell nur noch 13%.

Auch in Nord- und Ostsee werden viele Bestände oberhalb des Niveaus befischt, welches langfristig den maximalen nachhaltigen Ertrag (englisch Maximum Sustainable Yield MSY) ermöglicht. Der maximale nachhaltige Ertrag ist jedoch diejenige Fangmenge, die die Fortpflanzung und das Nachwachsen der Bestände nicht gefährdet und trotzdem langfristig hohe Erträge sichert. Diese sind erklärtes Ziel der im Jahr 2014 reformierten Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) und der EU Meeresstrategierahmenrichtlinie (MSRL) der EU.

Beifänge von untermaßigen Fischen der Zielarten, aber auch ungewollte Beifänge von Nichtzielarten wie Meeressäugetieren, Seevögeln, Schildkröten oder auch kommerziell nicht genutzten Fischarten sind ein erhebliches Problem der europäischen und globalen Fischerei. 

Grundberührende Fanggeräte wie z.B. schweres Grundschleppnetzgeschirr schädigen die Lebensgemeinschaften am Boden. Vor allem empfindliche, langsam wachsende Arten oder Biotoptypen  können auf Jahre geschädigt oder vollständig ausgelöscht  werden (z.B. bestimmte Muscheln, Seeigel, Sabellariariffe).

Einen gemeinsamen Weg gehen

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) engagiert sich seit vielen Jahren für eine ökosystemgerechte, nachhaltige Fischerei in Nord- und Ostsee, auch auf europäischer und internationaler Ebene. Gemeinsam mit verschiedenen Partnern wie dem Internationalen Rat für Meeresforschung (ICES), renommierten Forschungseinrichtungen, verschiedenen Naturschutzverbänden und auch der Fischerei wurden und werden Forschungsprojekte durchgeführt. Mit den Fischereiforschungsinstituten (Thünen Institut) hat das BfN Maßnahmenvorschläge für eine naturverträgliche Fischerei in den marinen Natura 2000-Gebieten in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) entwickelt (siehe à PDF Ökologischer und ökonomischer Nutzen fischereilicher Regulierungen in Meeresschutzgebieten). Deren wirkungsvolle Umsetzung kann gemeinsam am besten gelingen. Fischereiliche Maßnahmen in der deutschen AWZ können allerdings nur auf europäischer Ebene realisiert werden, da hier die EU-Kommission alleinige Regelungskompetenz hat.

Siehe auch:

 Ökologischer und ökonomischer Nutzen fischereilicher Regulierungen in Meeresschutzgebieten, 2014 (1.3 MB, barrierefrei)


Dorsch (Gadus morhua), Foto: S. Gust
Dorsch (Gadus morhua), Foto: S. Gust

Lösungsansätze

Der Schutz mariner Lebensvielfalt ist eines der primären Aufgaben und Ziele des BfN. Um dieses Ziel zu erreichen, verfolgt das BfN im Hinblick auf die Ökosystemauswirkungen der Fischerei verschiedene Ansätze, z.B.:

  • Intensive Begleitung des Reformprozesses der Gemeinsamen Fischereipolitik der EU durch fachliche Stellungnahmen
  • Initiierung und Förderung von Forschungsprojekten insbesondere zu den Auswirkungen der Fischerei auf das marine Ökosystem
  • Entwicklung von naturverträglichen Managementmaßnahmen für die Fischerei in den Meeresschutzgebieten von Nord- und Ostsee in Kooperation mit Universitäten oder Fischereiforschungsinstituten
  • Förderung umweltgerechter, Beifang-vermeidender Fangmethoden in deutschen Gewässern, u.a. Entwicklung und Einsatz alternativer Fanggeräte
  • Unterstützung der Zertifizierung ökosystemverträglich und nachhaltig gemanagter Fischereien wie etwa nach den Kriterien des „Marine Stewards-hip Council“ (MSC) oder von Initiativen wie z.B. Einkaufsratgeber für Fisch von Naturschutzverbänden.