Bundesamt für Naturschutz

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Planungs- und Managementstrategien des Naturschutzes im Lichte des Klimawandels

Themengruppe:

Schutzziele, Methoden und Instrumente des Naturschutzes



FKZ:

3508 82 0800



Laufzeit:

01.10.2008 bis 31.03.2010



CO2 - Emmissionen zum Beispiel durch Verkehr...
Verkehr
oder Braunkohlekraftwerke beschleunigen den Klimawandel
Braunkohle
CO2 - Senken wie Hochmoore sind daher dringend zu halten
Hochmoor
Der naturschutzverträgliche Ausbau der Photovoltaik...
Abbruch
der Biomasseerzeugung...
Photovoltaik
und der Windenergie als zukunftsfähiger Energiemix bedürfen einer sachgerechten räumlichen vorsorgeorientierten Planung
Biomasse
Es gilt Anpassungsoptionen in Natur und Landschaft offen zu halten und flexiblere Managementstrategien und Raumnutzungsmöglichkeiten für Tier- und Pflanzenarten zu entwickeln. Biotopverbundkonzepte und die Offenhaltung bzw. Öffnung von Wanderkorridoren eröffnen z. B. solche Optionen. © K. Hänel
Winenergie

Problemstellung und Ziele:

Die aktuellen Untersuchungen und Prognosen zu den Auswirkungen des Klimawandels machen deutlich, dass der Naturschutz gefordert ist, umgehend Strategien für den Umgang mit absehbaren Auswirkungen, auftretenden Risiken und Unwägbarkeiten zu entwickeln. Auch auf Seiten der Raumplanung wird aktuell das Fehlen eines klaren Bekenntnisses zur Anpassungsflexibilität von Raumnutzungen in den Leitvorstellungen des Raumordnungsgesetzes konstatiert, aber auch bereits entsprechende Weiterentwicklungsansätze diskutiert.

Für den Naturschutz gilt es ebenfalls die Möglichkeiten und Grenzen bestimmter tradierter und ggf. auch neuer gesamträumlicher Leitvorstellungen aufzuzeigen und zur Diskussion zu stellen. Natur und Landschaft werden aber nicht nur von den unmittelbaren (Temperatur- und Niederschlagsentwicklung etc.) und mittelbaren (veränderte, angepasste Landnutzungssysteme) Folgen des Klimawandels betroffen. Die Art der zukünftigen Entwicklung und Nutzung von Natur und Landschaft hat durchaus auch Bedeutung im Hinblick auf die durch diese Entwicklung und Nutzung freigesetzten Treibhausgasemissionen und die Funktion bestimmter Ökosystemtypen als CO2-Senken. D. h., dass in zukunftsfähigen Naturschutzplanungen und -maßnahmenkonzepten nicht nur erforderliche Anpassungsstrategien abzubilden sind, sondern auch auf einen aktiven Beitrag gegen eine weitere Klimaveränderung abgezielt werden muss. 

Die derzeitige Situation verlangt daher auf Seiten des Naturschutzes neben weiteren detaillierten Einzeluntersuchungen zu den Auswirkungen des Klimaschutzes auf einzelne Arten, Biotope und deren Zusammenwirken, auch die Entwicklung eines gesamträumlichen Schutz- und Managementansatzes. Dieser muss zur Erhaltung der biologischen Vielfalt bzw. ihrer Entwicklungsfähigkeit geeignet sein, Dynamik und Veränderungen in Natur und Landschaft vorherzusehen bzw. zumindest zu berücksichtigen. In diesem Zusammenhang ist es von Bedeutung, dem Naturschutz Instrumente an die Hand zu geben, mit denen relevante Raumnutzungs- und -entwicklungsentscheidungen beeinflusst und flexible Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden können.

Dabei spielen insbesondere Vermeidungsanforderungen (mitigation) und die Offenhaltung von Anpassungsoptionen (adaption) eine wichtige Rolle. Den gesamträumlich- und querschnittsorientierten Managementansätzen und Planungsinstrumenten des Naturschutzes gilt es hier besondere Beachtung zu schenken, denn sie ermöglichen zum Einen die Einbeziehung von schutzgutübergreifenden Wechsel- und Folgewirkungen und zum anderen einen ganzheitlichen und gesamträumlichen Problemzugang zu den komplexen Klimafolgen.

Ziel des Projektes ist es, die Handlungsmöglichkeiten querschnittsorientierter Naturschutzinstrumente in Bezug auf den Klimaschutz und die Klimafolgenbewältigung sowie ihre Einflussmöglichkeiten auf anpassungsbedürftige Raumnutzungsmuster zu analysieren. Damit stehen insbesondere die diesbezüglichen Potenziale der heutigen Landschaftsplanung als derart zu entwickelndes Managementinstrument des Naturschutzes im Fokus des Vorhabens.

Ausgehend von absehbaren Entwicklungen aufgrund von Klima- und damit verbundenem Nutzungswandel, ist eine Entwicklungsbedarfs- und Potenzialanalyse querschnittorientierter, gesamträumlicher Naturschutzinstrumente gefordert, die im Ergebnis Erkenntnisse darüber liefert, mit welchen Ansätzen und Instrumenten ein adaptives Landschaftsmanagement im Sinne des Naturschutzes sinnvoll entwickelt werden kann.

Im Fokus stehen nicht Managementansätze und -pläne des Naturschutzes und der Landschaftspflege für einzelne Schutzgebiete, sondern gesamträumliche, flächendeckende Entwicklungs- und Steuerungsansätze auf überörtlicher und örtlicher Ebene. Diese Ansätze und Instrumente müssen grundsätzlich geeignet sein, proaktiv konzeptionelle, naturschutzfachliche Entwicklungsvorstellungen zu formulieren und umsetzungsorientiert darzustellen, um auch entsprechende Konzepte und Maßnahmen des Naturschutzes zum Klimaschutz aufzunehmen.

Da davon auszugehen ist, dass sich durch den Klimawandel auch mittelbare Änderungen der Nutzungs- und Raumstrukturen aufgrund entsprechender Anpassungsstrategien anderer Fachdisziplinen ergeben werden, sind Ansätze und Instrumente gefragt, die Einfluss auf die räumliche Gesamtplanung und die gesamträumlichen Nutzungsstrukturen nehmen können. Diese Einflussnahme ist auch erforderlich, um eigene Ziele und Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege zum Klimaschutz in der räumliche Gesamtplanung integrieren zu können. 

Neben den damit bereits angesprochenen Potenzialen der Landschaftsplanung selbst, ist auch zu identifizieren, welche anderen querschnittorientierten formellen aber auch informellen naturschutzorientierten Instrumente diesbezügliche Potenziale aufweisen. Ebenso ist das aus Naturschutzsicht erforderliche Zusammenspiel von Planungs- und Managementinstrumenten (Instrumentenmix) - auch über die Fachdisziplin hinaus - herauszuarbeiten. 

Die geforderte Analyse hat auch die aktuellen und zukünftig zu erwartenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu berücksichtigen und die herausgearbeiteten Potenziale im Hinblick auf Akzeptanz und Umsetzungsfähigkeit einzuschätzen. Die Ergebnisse des vorliegenden Forschungs- und Entwicklungsvorhabens sollen als Grundlage für zukünftig erforderliche, konkrete Empfehlungen zur Berücksichtigung und instrumentellen Umsetzung des hier identifizierten Anpassungsbedarfes geeignet sein. Unter konkreten Empfehlungen sind hier angepasste und ggf. auch neu zu entwickelnde Planungs- und Managementmethoden sowie Verfahrensweisen, insbesondere im Kontext der Landschaftsplanung, zu verstehen, die dann aufbauend auf den hier zu erarbeitenden Projektergebnissen herauszuarbeiten sein werden.


Forschungsnehmer:

Prof. Dr. Stefan Heiland, TU Berlin, Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung,

FG Landschaftsplanung, Sekr. EB 5, Straße de 17. Juni 145, 10623 Berlin

Prof. Adrian Hoppenstedt und Gottfried Hage,

HHP HAGE+HOPPENSTEDT PARTNER, Raum- und Umweltplanung,

Gartenstraße 88, 72108 Rottenburg


Ansprechpartner:

Torsten Wilke,  FG II 3.1


Letzte Änderung: 11.12.2008

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